Corona-Sterberate: RKI warnt - mehr Tote als in offiziellen Zahlen

Coronavirus

Das Robert-Koch-Institut sieht eine sich verlangsamende Dynamik in der Corona-Ausbreitung in Deutschland. Dennoch warnt RKI-Präsident Wieler: Wir stehen erst am Anfang der Epidemie.

Berlin

von Thoralf Cleven

, 03.04.2020, 11:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident Robert Koch-Institut.

Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident Robert Koch-Institut. © Michele Tantussi/X03942/REUTERS

Derzeit liegt die Sterberate bei den mit dem Coronavirus Infizierten in Deutschland bei 1,2 Prozent. „Die Sterberate wird sich jedoch erhöhen“, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Freitag bei einem Pressebriefing.

Höchstwahrscheinlich mehr Tote durch Corona-Virus

Wieler sagte, dass es höchstwahrscheinlich schon mehr Tote durch das Corona-Virus gebe, als die offiziellen Zahlen vermitteln könnten. Das hinge damit zusammen, dass aus den Körpern Verstorbener das Virus schnell wieder verschwinde. „Die Sterberate wird also eher unter- als überschätzt.“

Im Durchschnitt seien die Verstorbenen in Deutschland 80 Jahre alt, der jüngste Verstorbene war 28 Jahre alt und hätte Vorerkrankungen gehabt, so Wieler. „Es können also auch Menschen sterben, die jünger als 60 sind“, sagte der RKI-Chef eindringlich.

23.800 Menschen seien inzwischen wieder von der Infektion genesen.

Wieler äußerte sich noch einmal explizit zum Tragen von Mundschutz. „Wir stehen erst am Anfang der Epidemie.“ Der medizinische Mund-Nasen-Schutz und sogenannte FFP-Masken sollten ausschließlich medizinischem Personal zur Verfügung stehen. „Um sich selbst und andere zu schützen, bleibt am wichtigsten: Abstand halten, Handhygiene, Husten- und Niesregeln beachten.

„Sich selbst schützt man damit nicht“

Selbst hergestellte Masken könnten helfen, andere zu schützen, so Wieler. Auch wenn es dafür bislang keine wissenschaftlichen Belege gebe. „Sich selbst schützt man damit nicht vor Infektionen, das muss jedem klar sein.“ Wer solche Masken beim Fahren im ÖPNV oder beim Einkauf trage, senke jedoch das Risiko, andere anzustecken.

„Wer Symptome hat, sollte jedoch so oder so zu Hause bleiben und gegebenenfalls einen Arzt konsultieren.“ Wieler wies explizit auf den richtigen Gebrauch von Stoff- oder Papiermasken hin: „Sie müssen eng anliegen und nach Durchfeuchtung gewechselt werden. Und bitte nicht daran herumnesteln. Das erhöht die Infektionsgefahr.“

Wieler warnt eindringlich: „Durch das Tragen solcher Masken sollte sich niemand in falscher Sicherheit wiegen. Sonst schadet das Tragen solcher Masken mehr als es nützt.“

„Eher mehr als weniger Waggons“

Der RKI-Chef appellierte an die Verkehrsbetriebe, die Taktung von Bussen und Bahnen zu erhöhen, damit nicht so viele Fahrgäste darin sind. „Eher mehr als weniger Waggons bitte!“ Aber auch die Fahrgäste trügen Verantwortung: „Sie müssen sich besser in den Fahrzeugen verteilen.“

Wieler äußerte sich auch zu den Kriterien für eine mögliche Lockerung der bestehenden Beschränkungen. „Es bleibt das Ziel: Die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.“ Erst wenn sich rechnerisch die Zahl der durch eine Person Infizierten unter 1 bewege, könne man über Lockerungen nachdenken. Derzeit liege die Zahl seit Tagen etwa bei 1. „Das scheint sich zu stabilisieren“, so Wieler.

Es gebe jedoch überhaupt noch keine finalen Pläne für eine Lockerung, lediglich Szenarien. „Ich kann mir jedoch nicht vorstellen“, so Wieler, „dass alles wieder gleichzeitig losgeht“.

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