Corona-Zahlen auf Mallorca sinken: Wird die Reisewarnung bald aufgehoben?

Coronavirus

Seit fast einem Monat gilt Mallorca als Corona-Risikogebiet. Doch die Zahlen sinken, seit mehreren Tagen liegen die Neuinfektionen unter dem kritischen Wert. Wird die Reisewarnung bald aufgehoben?

Palma

11.09.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Touristen gehen mit ihren Rollkoffern durch Palma de Mallorca – für die Insel gilt nach wie vor eine Reisewarnung.

Touristen gehen mit ihren Rollkoffern durch Palma de Mallorca – für die Insel gilt nach wie vor eine Reisewarnung. © picture alliance/dpa

„Der Tourismus ist weg, und der kommt auch erst mal nicht wieder“ – das sagte ein deutscher Tourist auf Mallorca etwa eine Woche, nachdem das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für die Baleareninsel ausgesprochen hatte. Das war am 14. August, seit fast einem Monat gilt Mallorca inzwischen als Risikogebiet. Während im September normalerweise die Hauptsaison langsam ausklingt, bietet sich im Corona-Jahr 2020 ein anderes Bild: Viele Hotels, Restaurants und Geschäfte sind geschlossen, die beliebte Playa de Palma wirkt wie leergefegt. Ein trauriges Bild, doch es gibt ein wenig Anlass zu Hoffnung: Die Corona-Zahlen sind deutlich gesunken.

Während der Wert der Neuinfektionen auf sieben Tage zum Zeitpunkt der Einstufung zum Risikogebiet bei 66,81 pro 100.000 Einwohner lag – und damit deutlich über dem kritischen Wert von 50 – und sogar noch weiter anstieg, ist er inzwischen deutlich gesunken. Während der Wert vor etwa einer Woche noch bei über 57 lag, ist die Sieben-Tage-Inzidenz nun vier Tage in Folge unter 40 geblieben, das berichtet das „Mallorca Magazin“. Zuletzt betrug sie nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag 39,84. Am Mittwoch hatte sie bei 35,76, am Dienstag bei 32,28 und am Montag bei lediglich 29,32 gelegen.

Die Inzidenz ist ein entscheidendes Kriterium für die Bundesregierung bezüglich der Einstufung von Regionen und Ländern als Risikogebiete. Sie prüft, wie viele Menschen sich innerhalb der vergangenen sieben Tage durchschnittlich auf 100.000 Einwohner infiziert haben, der Grenzwert ist 50. Könnte die Reisewarnung also bald aufgehoben werden?

Auswärtiges Amt: „Maßgeblich sind konsistente Trends“

„Wir verfolgen die Lageentwicklung und das Infektionsgeschehen auch auf den Balearen intensiv“, heißt es aus dem Auswärtigen Amt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die derzeit bestehende Einstufung als Risikogebiet und die Teilreisewarnung könnte aufgehoben werden, wenn sich die Sieben-Tage-Inzidenz wieder unterhalb des Schwellenwertes von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten sieben Tagen stabilisiere. „Maßgeblich sind dabei aber konsistente Trends“, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß hatte hingegen schon Ende August Hoffnung gemacht: Würden die Zahlen unterschritten werden, könne auch wieder „aufgemacht“ werden, sagte er dem Sender ntv. Und weiter: „Die Zahlen gehen wieder zurück. Das heißt, wenn wir in den nächsten Tag vielleicht auch vom RKI das grüne Licht bekommen, damit dann das Reisen auf Mallorca auch wieder möglich ist.“

Mallorca: Petition für Aufhebung der Reisewarnung

Dass dies bislang nicht passiert ist, sorgt für Unmut auf der Insel. Es wurde sogar eine Onlinepetition gestartet, die eine Aufhebung der höchsten Warnstufe des Auswärtigen Amtes fordert. Bislang haben mehr als 4600 Menschen unterschrieben. Initiiert wurde die Unterschriftenaktion von Resident Mario Krsek, er will die Petition bei der deutschen Bundesregierung einreichen.

Er schreibt zur Begründung seiner Forderung, dass die Zahlen sinken und sich die Fälle ohnehin auf wenige Bereiche der Insel – El Arenal de Llucmajor, Pere Garau/Son Gotleu und Inca – beschränken würden. Zudem sei die Reisewarnung für die Wirtschaft der Insel und die deutsche Tourismusbranche extrem schädlich.

Tatsächlich hat sich auf Mallorca inzwischen eine Art „Winterschlaf“ breitgemacht. So haben beispielsweise 72 Prozent der Hotels geschlossen, weil zu wenig Gäste vor Ort sind, als dass die Öffnung sich wirtschaftlich rechnen würde. Auf der Insel trägt der Tourismus eigentlich rund 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, etwa 200.000 Arbeitsplätze hängen an dem Wirtschaftszweig. Doch nach der Reisewarnung stornierten die meisten Veranstalter die Buchungen – von Tui über DER Touristik bis Schauinsland.

Alltours hingegen flog weiter – und Chef Willi Verhuven zeigt sich nun optimistisch. Er glaube, dass die Reisewarnung bald aufgehoben werde, sagte er im Gespräch mit dem Branchenmagazin „FVW“.

RND

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