Coronavirus auf Kreuzfahrtschiff: Passagiere schildern dramatische Zustände

Lungenkrankheit

3700 Menschen sitzen auf einem Kreuzfahrtschiff vor Japan fest - 1800 weitere auf einem Schiff vor Hongkong. Über die sozialen Medien verbreiten Passagiere der „Diamond Princess“ nun Hilferufe.

Tokio/Hongkong

von Matthias Schwarzer

, 05.02.2020, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Coronavirus auf Kreuzfahrtschiff: Passagiere schildern dramatische Zustände

Ein Patrouillenboot der Japanischen Küstenwache beim Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“. An Bord des Schiffes sind zehn Fälle des neuen Coronavirus bestätigt worden. © picture alliance/dpa

Mittlerweile zwei Kreuzfahrtschiffe sind wegen des Coronavirus festgesetzt worden: Vor Hongkong stehen seit Mittwoch etwa 1800 Passagiere auf einem Schiff unter Quarantäne - bei drei Menschen war das Virus festgestellt worden. Bereits seit mehreren Tagen sitzen knapp 3700 Menschen auf der „Diamond Princess“ vor Japan fest. Zehn Virusfälle gab es an Bord - für acht deutsche Passagiere auf dem Schiff gab es jedoch inzwischen Entwarnung.

Die Zustände auf dem Schiff scheinen allerdings besorgniserregend, wenn man den Berichten des Briten David Abel glaubt. Er veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite gleich mehrere Videos - mit eindeutigen Hilferufen.

Schlechte Verpflegung für Diabetiker

Das größte Problem derzeit sei die Verpflegung an Bord, berichtet Abel. Zwar sei Essen vorhanden und die Passagiere seien auch mit Lebensmitteln versorgt worden - allerdings werde das Essen inzwischen rationiert und in einer bestimmten Reihenfolge auf die Zimmer verteilt, berichtet der Passagier.

Für Abel sei dies besonders problematisch, da er Diabetiker sei. Auf Facebook ruft er dazu auf, ihm zu helfen - die Situation für ihn sei sehr gefährlich. Er habe seit sieben Uhr abends am Tag zuvor nichts mehr gegessen. Nun sei es viertel nach elf Uhr Vormittags. „Meine Problem ist: Wenn ich nicht sehr bald etwas esse, werde ich ins Koma fallen. Das ist keine Übertreibung“, so Abel in dem Clip.

Weil die Quelle des Coronavirus noch nicht gefunden worden sei, sei der Service auf dem Kreuzfahrtschiff komplett eingestellt worden, berichtet der Brite weiter. An Bord vermutet man offenbar derzeit, dass der Erreger über das Essen verbreitet werde. Für ihn als Diabetiker sei es allerdings wesentlich gefährlicher, gar nichts zu essen.

Einen Tag später meldet sich Abel erneut bei Facebook: Er gibt zu Protokoll, dass inzwischen etliche E-Mails an das Kreuzfahrtschiff gesendet worden seien. Das Personal würde nun sehr genau darauf achten, ihn mit Essen zu versorgen.

Keine Medizin an Bord von Kreuzfahrtschiff

Auch andere Passagiere berichten von Bord. Eine Twitter-Nutzerin mit dem Namen @daxa_tw postete Bilder von maskierten Mitarbeitern in blauen Plastik-Anzügen, die die leeren Korridore der Diamon Princess entlang laufen.

Eine andere Frau berichtete dem japanischen Fernsehsender NHK, sie sei sehr besorgt um ihre 80-Jährige Mutter. „Wir haben keine Medizin mehr, meine Mutter hat Bluthochdruck und wir können hier nicht weg“, so die Frau. „Hier sind viele ältere Passagiere an Bord, und viele von ihnen haben ähnliche Probleme. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

Schiff soll zwei Wochen unter Quarantäne bleiben

Die „Diamond Princess“ soll vorerst weiter unter Quarantäne bleiben. Die Infizierten wurden ins Krankenhaus gebracht - die 2666 Passagiere, etwa die Hälfte davon Japaner, sowie 1045 Crew-Mitglieder sollen jedoch für weitere 14 Tage an Bord bleiben. Die Untersuchungen auf den Erreger sollen weitergehen, wie das japanische Gesundheitsministerium mitteilte.

Mit der Entdeckung der zehn Infizierten von dem Schiff stieg die Zahl der Fälle in Japan auf 33. Außerhalb von Festland-China gibt es in mehr als zwei Dutzend Ländern jetzt mehr als 230 bestätigte Infektionen, davon zwölf in Deutschland. In Hongkong und den Philippinen sind zwei Patienten gestorben.

Auf dem zweiten festgesetzten Kreuzfahrtschiff vor Hongkong hatten drei Mitglieder der Besatzung an Fieber gelitten. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht und dort isoliert, wie die Gesundheitsbehörde des Hafens mitteilte. Die Passagiere müssen den Angaben zufolge an Bord bleiben. Unklar ist allerdings bislang, wie lange die Quarantäne dauern wird.

Mit dpa