Fragen und Antworten: Schützen Masken - und wenn ja, wen?

Coronavirus

Welche Masken gibt es, wen schützen sie und was sollte man beim Tragen von selbstgenähten Masken beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

NRW

04.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Schutzmaske ist nicht gleich Schutzmaske.

Schutzmaske ist nicht gleich Schutzmaske. © picture alliance/dpa

Welche unterschiedlichen Masken gibt es?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterscheidet zwischen selbst hergestellten Masken (oder DIY-Masken, Community-Masken) medizinischem Mund-Nasen-Schutz (auch OP-Masken) und sogenannten filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP3).

Schützen Masken?

Die Frage, ob das Tragen einer Maske schützt, ist von zwei Faktoren abhängig: Welche Maske ist gemeint und wer soll geschützt werden?

Bei filtrierenden Halbmasken ist die Antwort relativ einfach: Diese Masken sind Teil einer Schutzausrüstung. Ihr Zweck ist es, den Träger vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen mit Hilfe eines Filters zu schützen. Dabei gibt es Masken, die nicht nur die eingeatmete Luft filtern, sondern auch die ausgeatmete, erklärt das BfArM. FFP-3-Masken haben die höchste Schutzstufe und können auch vor krebserregenden oder radioaktiven Partikeln schützen.

Beim medizinischen Mund-Nasen-Schutz (OP-Masken) steht der Fremdschutz im Vordergrund. Wer so einen Schutz trägt, schützt das Gegenüber vor Tröpfchen, erklärt das BfArM. Eine solche Maske könne zwar bei entsprechendem Sitz auch den Träger schützen, das sei aber nicht der Zweck. Die Masken schützen zwar die Mund- und Nasenpartie des Trägers vor dem direkten Auftreffen größerer Tröpfchen, filtern aber nicht die eingeatmete Luft, weil diese in der Regel von den Seiten her eingesogen wird. Wie entscheidend diese Schutzfunktion im Fall von Corona ist, darüber wird derzeit noch diskutiert.

Auch bei DIY-Masken steht der Fremdschutz absolut im Vordergrund. Da es sich dabei nicht um medizinische Produkte handelt, sind die Masken nicht zertifiziert. Das muss auch bei der Beschreibung beachtet werden. Trotzdem können die DIY-Masken einen Beitrag zur Eindämmung von Sars-Cov-2 leisten, sagt das BfArM: Sie reduzierten etwa die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Tröpfchenauswurfs beim Husten.

Deutschlands führende Hygieniker gehen davon aus, dass auch einfache, sogar selbst genähte Schutzmasken das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus verringern können. „Wer angehustet wird und einen Mund-Nase-Schutz (MNS) trägt, schützt sich vor dem größten Teil der Tröpfchen, die im Tuch oder Stoff hängen bleiben“, sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Diese Einschätzung ist jedoch umstritten.

Was sagt das RKI?

Das Robert-Koch-Institut hat inzwischen seine Einschätzung für das Tragen von Mundschutz geändert. Wenn Menschen - auch ohne Symptome - vorsorglich eine Maske tragen, könnte das das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern, hieß es auf der Internetseite der Bundesbehörde. Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

Nicht jeder, der mit Sars-CoV-2 infiziert ist, bemerke das auch, hieß es. Manche Infizierte erkrankten gar nicht, könnten den Erreger aber trotzdem weitergeben. Regeln zum Husten- und Niesen, zur Händehygiene und zum Mindestabstand sollten auch mit Masken weiterhin eingehalten werden. Außerdem gebe es keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine selbstgenähte Maske einen selbst vor einer Ansteckung schützt.

Was sagt die WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prüft, ob das Tragen von Mundschutz in der allgemeinen Öffentlichkeit die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen kann. Das sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf.

Bislang lautet die Haltung der WHO, dass Mundschutz nur für Kranke und Menschen, die Kranke pflegten, sinnvoll sei.

Worauf sollte man beim Tragen von selbstgenähten Masken achten?

Wer eine DIY-Maske trägt, sollte einige Dinge beachten, warnt das BfArM. Dazu gehört:

  • Die Masken sollten nur für den privaten Gebrauch genutzt werden.
  • Beim Anziehen sollte man darauf achten, dass die Innenseite nicht kontaminiert wird. Die Hände sollten vorher gründlich mit Seife gewaschen werden.
  • Die Maske muss richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen. So werde das Eindringen von Luft an den Seiten minimert.
  • Eine durchfeuchtete Maske sollte umgehend abgenommen und gegebenenfalls ausgetauscht werden.
  • Die Außenseite der gebrauchten Maske sollte nicht berührt werden. Denn sie ist potenziell erregerhaltig.
  • Nach Absetzen der Maske sollten die Hände gründlich gewaschen werden.
  • Die Maske sollte nach dem Abnehmen sofort gewaschen werden, idealerweise bei 95 Grad, mindestens bei 60 Grad und dann vollständig trocknen. Alternativ kann man sie kurze Zeit bis zum Waschen etwa in einem Beutel luftdicht verschlossen.

Ersetzen Masken andere Schutzmaßnahmen?

Nein. Tatsächlich ist das ein Grund, weshalb die WHO sich im Bezug auf die Masken eher zurückhaltend geäußert hat. Die WHO warnte sogar, dass das Tragen von Masken die Menschen in falscher Sicherheit wiegen und verleiten könne, andere Vorsichtsmaßnahmen wie das gründliche Händewaschen zu vernachlässigen. Auch das BfArM sagt: „Den besten Schutz vor einer potentiellen Virusübertragung bietet nach wie vor das konsequente Distanzieren von anderen, potenziell virustragenden Personen.

Wie viele Masken braucht Deutschland?

Auf jeden Fall derzeit noch viel mehr. In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Alarmrufe, auch wenn die zentrale Beschaffung von Schutzausrüstung durch die Bundesregierung zusehends in Gang kommt. Rund 20 Millionen Masken gingen inzwischen über den Bund an Kassenärztliche Vereinigungen und die Länder, die das Material an Praxen, Kliniken und Pflegeheime weiterverteilen sollen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder prognostiziert im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland auf lange Sicht einen Bedarf von Milliarden Masken. Einige Unternehmen haben inzwischen die Produktion von Masken aufgenommen, so zum Beispiel der Automobilzulieferer Zettl, der seinen Betrieb angesichts der Corona-Krise um die Produktion von Masken erweitert hat. Die Idee ist, sich so von den Lieferungen aus China unabhängiger zu machen.

Wo bekommt man Masken her?

Schutzmasken sollten derzeit vor allem medizinischen Personal und etwa Alten- und Pflegeheimen überlassen werden. Wer beim Einkaufen eine Maske tragen möchte, kann aber auf DIY-Produkte zurückgreifen. Auch Schals, die über Mund und Nase gebunden werden, sind eine Alternative. Eine Anleitung zum Selbermachen, finden Sie hier:

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Wo sollte man eine Maske tragen?

Auf der Straße sei das Tragen von MNS nicht unbedingt notwendig, sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger. An der frischen Luft oder in gut gelüfteten Räumen verteile sich die Tröpfchen-Wolke sofort in eine Verdünnung hinein, die das Risiko deutlich verringere. In nicht gelüfteten Räumen sei die Ansteckungsgefahr höher.

Wo gibt es eine Masken-Pflicht schon?

Österreich hatte nach anderen Ländern am Mittwoch das Tragen von Mundschutz beim Einkaufen verpflichtend gemacht. In Deutschland wurde auch darüber diskutiert, aber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Dienstag, er sehe keine Notwendigkeit für eine Verpflichtung zum Maskentragen. Einzelne Kommunen sehen das anders: Nach Jena führt nun auch der Landkreis Nordhausen schrittweise eine Mundschutzpflicht in Geschäften, Bussen und Taxis ein. Ab Montag gilt dies zunächst als Empfehlung, nach Ostern wird es laut neuer Allgemeinverfügung zur Pflicht.

RND

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