Currentzis’ „Cosi fan tutte“ ist vom Teufel besessen

Konzerthaus Dortmund

Was für ein Abend! Und was für ein Glück, dass der überwältigenden Aufführung von Mozarts "Cosi fan tutte" Freitag im Konzerthaus Dortmund zwei Abende mit dem außergewöhnlichen Dirigenten Teodor Currentzis folgen: Am Sonntag (15.11., 18 Uhr) "Figaros Hochzeit" und am Dienstag (17.11., 19 Uhr) "Don Giovanni".

DORTMUND

, 14.11.2015, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein tolles Sängerensemble und ein fantastisches Orchester bescherten dem Publikum am Freitag im Konzerthaus Dortmund eine atemberaubende „Cosi fan tutte“ von Mozart. Star des Abends war Dirigent Teodor Currentzis.

Ein tolles Sängerensemble und ein fantastisches Orchester bescherten dem Publikum am Freitag im Konzerthaus Dortmund eine atemberaubende „Cosi fan tutte“ von Mozart. Star des Abends war Dirigent Teodor Currentzis.

Sein Orchester, die fantastische MusicAeterna aus dem russischen Perm, lässt Currentzis im Stehen auf historischen Instrumenten musizieren. In den ersten 14 Takten zu Beginn geht es gemütlich zu. Dann knallt es und der 43-jährige Dirigent beginnt eine Raserei, die man so in einer "Cosi" noch nicht gehört hat.

"Presto" steht in der Partitur, aber der Grieche am Pult macht schnell klar, dass es mit diesen 50 Musikern, die jeden Ton knackig und präzise wie mit der Nadel gestochen spielen, schneller geht und dass in diesem Haus der Schwestern Fiordiligi und Dorabella der Teufel wohnt.

Besessen von Energie

Currentzis ist ein Besessener. Er dirigiert ohne Taktstock, mit einem Gesichtsausdruck, der an den von Teufelsgeiger Paganini erinnert. Er stampft, hüpft, springt vom Pult, huscht vor die Sänger, dirigiert vor ihrer Nase, spurtet wieder aufs Pult. Mehr als sportlich.

Und was musikalisch dabei heraus kommt, ist atemberaubend und gehört zum Besten, was im Konzerthaus bislang zu hören war.

Höllisches Drama

Zwei Welten stellte Currentzis scharf gegeneinander: die der Männer, die um die Ehre ihrer Frauen wetten, und die lieblichere, milde der untreuen Frauen. Die Männerwelt wurde bei Currentzis zum höllischen Drama. Konstantin Wolf war dafür fast zu weichem Bass der böse Drahtzieher Alfonso.

Tenor Kenneth Tarver als Ferrando hatte seine Stimme wohl bei Probenfanatiker Currentzis überstrapaziert; er kämpfte und bekam dafür auch die Anerkennung des Publikums. Bariton Vito Priante war als Guglielmo eingesprungen für André Schuen und die beste Besetzung im Männer-Trio .

Simone Kermes in Ekstase

Koloraturstar Simone Kermes sang sich als Fiordiligi mit stechendem Blick nicht nur in der Felsenarie in Ekstase - ein Pendant zum wilden Currentzis. Aber die Sächsin hatte auch ein großes Reservoir von berührend schönen, weichen Tönen.

Paula Murrihy war mit ihrem schlanken, hohen, sehr nobel klingendem Mezzo dagegen eine geradezu liebreizende Dorabella. Komödienspaß gab’s in all dem Trubel auch: Dafür sorgte Anna Kasyan als überaus spielfreudige, kesse Despina.

Drama "Don Giovanni"

Ein Zeremonienmeister der Energie, der alles um sich herum unter Starkstrom stellt, ist dieser Currentzis, gegen all die anderen jungen, wilden Dirigenten wie Bewegungslegastheniker aussehen. „So machen's alle“ („Cosi fan tutte“) gilt für ihn nicht. So macht‘s sonst keiner.

Beim Drama "Don Giovanni" am Dienstag (17.11.) ab 19 Uhr wird es noch mehr knallen; dann wird der Saal musikalisch in Flammen stehen.

Es gibt noch Karten: Tel. (0231) 22696200.

 

Video von einer "Don Giovanni"-Aufführung mit Currentzis in Perm:

 

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