Damir Avdic verzaubert das Theater Unten

Theater-Premiere

Damir Avdic ist Schauspieler – und Zauberer. Am Ende seiner neuen Show „Wer zaubern will, muss freundlich sein“, die am Dienstag im Theater Unten Premiere feierte, war Avdic so betrunken, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Doch was nach einem kleinen Skandal klingt, ist fulminantes Theater.

BOCHUM

, 07.10.2015, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Damir Avdic verzaubert das Theater Unten

Damir Avdic in seiner Zaubershow.

Das Hemd zu eng, die Hose zu groß, das Auftreten eher schmierig – wenn Damir Avdic in seiner Rolle als Zauberer die Bühne betritt, ist sofort klar, dass das eine Persiflage ist. Avdic wirkt wie ein heruntergekommener Jahrmarktszauberer, der die großen Gesten und Worte kennt und sie dennoch nicht begreifen kann, weil sie ihm zu groß sind. Dazu passt, dass seine Tricks eher kleine Taschenspielereien sind. Illusionen, die man in solchen Shows erwartet, die Standard sind.

Doch darum geht es bei diesem Abend auch gar nicht. Zwar liegen zwischen den üblichen Nummern immer wieder Tricks, die wirklich überraschen und nicht zu durchschauen sind, doch es ist die wilde Mischung aus Theater, Zauberei und Comedy, die den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Dass darin auch eine gehörige „Wahnsinn“ steckt, wie in der Vorankündigung zu lesen war, kann nicht bestritten werden.

Ein scheinbarer Fehler

So legt Avdic noch im ersten Teil seiner Show einen Trick offen, weil er ein Requisit falsch hält. Aufregung, Fehler oder Absicht? Die Grenzen zwischen Illusion und Realität bekommen zu diesem Zeitpunkt schon erste Risse. Dass die klare Flüssigkeit, die Avdic erst alleine, dann mit einigen Zuschauern trinkt, wirklich Alkohol ist, daran lassen die Mittrinkenden keinen Zweifel.

Trinkt der Schauspieler, der früher tatsächlich als Zauberer arbeitete, weil er nervös ist, weil es ihm egal ist oder weil es zur Rolle gehört? Schließlich würde es perfekt ins Bild des abgehalfterten, aber dennoch charmant-witzigen Illusionisten passen.

Der Humor ist ohnehin die Stärke des Abends. Zuweilen lacht das Publikum im ausverkauften Theater Unten Tränen, bekommt hysterische Lachanfälle und will eigentlich nicht mehr, dass der Abend endet. Darauf geht Avdic ein, bringt die eigentlich für 90 Minuten angesetzte Show auf eine Länge von fast zwei Stunden – und an deren Ende wartet dann der absolute Höhepunkt.

Pathetischer Monolog

In einem pathetischen Monolog spricht Damir Avdic über den Sinn des Lebens, das Glück und die Liebe. Es sind Monologe, wie man sie oft bei Shows hört, die denken, sie müssten ihre Zuschauer mit einem guten Ratschlag entlassen. Avdic torkelt dabei sichtlich betrunken über die Bühne und lallt. Keiner weiß mehr, ob auch nur ein Wort davon ernst gemeint ist oder ob das alles Teil einer wirklich genialen Persiflage ist. Übrig bleibt die totale Auflösung von Realität und Illusion und aus Damir Avdic wird Damir, der Fantastische. Es ist ein Abend voller Spontaneität, voller Humor und schön anzuschauender Tricks – und es ist ein Solo-Abend, an dem Damir Avdic brillieren kann. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Show zum Dauerbrenner wird.

Nächste Vorstellung: Freitag, 13. November, Theater Unten, Königsallee 15

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