"Dann kam das Angebot aus Bochum"

Terdenge-Interview

Er hat mehr Länderspiele als der ehemalige NBA-Profi Detlef Schrempf. In der Basketball-Bundesliga gehörte Gerrit Terdenge in verschiedenen Vereinen fast zehn Jahre zu den Leistungsträgern - eine echte Hausnummer. Aber im medialen Rampenlicht standen stets andere Spieler. Der 37-Jährige blickt dennoch zufrieden auf seine Karriere zurück, die im Dezember 2011 eine unerwartete Wendung nahm.

BOCHUM

von Von Tobias Nordmann

, 15.02.2012, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gerrit Terdenge, Ex-AstroStar, spielt jetzt für die Giants Düsseldorf.

Gerrit Terdenge, Ex-AstroStar, spielt jetzt für die Giants Düsseldorf.

Herr Terdenge, vor einem Jahr hatten Sie Ihre Basketballstiefel doch bereits in die Ecke gestellt, nun schnüren Sie Ihre Treter ja doch wieder, wie kommt's?

Gerrit Terdenge: Ich hatte mein Engagement bei den Wohnbau Baskets Essen aus beruflichen Gründen beendet. Nach sechs Jahren Doppelbelastung mit Studium, Job und Profibasketball war ich ausgebrannt. Und mit damals 35 hatte ich das gute Gefühl, dass es nun endgültig vorbei ist. Doch dann kam das Angebot aus Bochum.

...völlig überraschend?

Terdenge: Genau. Trainer Kai Friedrich, den ich aus Jugendzeiten noch kenne, hat angefragt, ob ich Lust habe, die Mannschaft zu unterstützen.

Und Sie hatten. Nach einem Jahr ohne Basketball hat's in den Fingern gejuckt?

Terdenge: Komischerweise hat es nicht in den Fingern gejuckt. Aber ich hatte bereits zugesagt, beim Abschiedsspiel für Pascal Roller dabei zu sein, da kam mir das Training gerade recht. Ich wollte erst schauen, aber es hat mir in der Truppe Spaß gemacht, auch wenn ich merke, dass ich konditionell einiges aufholen muss.

Sie hatten also Muskelkater nach den ersten Einheiten...

Terdenge: Definitiv. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich schnell wieder reinfuchsen kann. Ich habe mich für ein Engagement entschieden und will es ordentlich machen.

Was bedeutet das?

Terdenge: Ich will die Mannschaft mit meiner Erfahrung in den entscheidenden Phasen so gut es geht unterstützen. Vor allem zum Saisonende, wenn es gegen Dortmund oder Recklinghausen geht. Aber, das ist mir sehr wichtig, ich will keine Unruhe in die Mannschaft bringen, denn die Jungs spielen eine tolle Saison.

Sie haben über zehn Jahre in der Bundesliga gespielt, waren 82 Mal DBB-Auswahlspieler, fordert der eine oder andere Spieler mal einen Tip ein?

Terdenge: Nein, in dieser Rolle bin ich noch nicht. Ich wachse gerade ins Team rein und hole mir die Ratschläge von den Jungs. Vielleicht wird sich die Rolle künftig ändern, dann gebe ich meine Impulse gerne weiter.

Ihr Engagement gilt bis zum Saisonende. Was kommt dann, könnten Sie sich im Aufstiegsfall auch noch ein Jahr in der Pro B vorstellen?

Terdenge: Wir sollten abwarten. Vorstellen kann ich mir alles. Aber es ist ja auch die Frage, ob die AstroStars im Sommer noch Lust auf mich haben.

Wenn Sie auf Ihre Profi-Karriere zurückschauen, wie fällt Ihre Bilanz aus?

Terdenge: Ich denke, ich hab mein Potenzial ausgenutzt. Allerdings hatte ich auch immer mal wieder Probleme mit Verletzungen, sonst hätte es vielleicht mal mit einem Wechsel zu einem europäischen Top-Verein geklappt. Aber ich kann sagen: Ich hatte viel Spaß und will diese Zeit auf keinen Fall missen.