„Dann verblutest du“: Mutter aus Hagen soll Kind monatelang gequält haben

rnLandgericht Hagen

Schläge, kaltes Wasser, Stiche mit der Schere und viele weitere, grausame Taten: Eine Mutter aus Hagen soll ihre Tochter monatelang gequält haben. Die Vorwürfe der Anklage sind erschütternd.

Hagen

, 06.11.2020, 14:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Serie von mutmaßlichen Misshandlungen gegen ihre eigene Tochter wird einer Mutter (52) aus Hagen seit der Prozess gemacht. Es geht um Anschuldigungen, die sprachlos und wütend machen - und die tief unter die Haut gehen. Ob eine Mutter wirklich so grausam sein kann, wie es die Anklage mit erschütternden Szenen beschreibt, müssen nun die Richter am Hagener Landgericht klären.

Kopf beim Baden unter Wasser gedrückt?

Lebensgefährliche und menschenverachtende Bestrafungen, dazu eine Morddrohung, bei der einem der Atem stockt: Die Staatsanwaltschaft wirft der 52-jährigen Frau aus Hagen vor, ihre anfangs acht Jahre altes Tochter von Januar 2016 bis November 2017 gequält, schikaniert, eingesperrt und immer wieder tätlich angegriffen zu haben.

Die 52-Jährige soll das Mädchen regemäßig in kaltem Wasser gebadet und das Kind beim Baden mit dem Kopf unter Wasser gedrückt haben, so dass es kaum noch Luft bekam. Außerdem soll sie ihre Tochter mal eine Socke, mal ein Küchentuch so tief in den Mundraum gestopft haben, dass das Kind drohte, zu ersticken.

Stich in den Handrücken

Darüber hinaus soll das Kind stundenlang im Zimmer eingesperrt und gezwungen worden sein, beinahe nackt vor dem geöffneten Fenster zu stehen. Mal soll sie dem Mädchen mit einer Schere in den Handrücken gestochen, mal mit einem Gürtel auf den Oberschenkel geprügelt, mal den Kopf gegen einen Haltegriff gestoßen haben.

„Dann verblutest Du!“

Kurz bevor das Mädchen im November 2017 von zu Hause weggelaufen und bei einer Jugendschutzstelle untergekommen ist, soll die Mutter ihre Tochter gezwungen haben, mit Mineralwasser verdünnten Brei durch einen Strohhalm von einem Teller aufzusaugen.

Auch soll das Mädchen von seiner Mutter mit der Spitze eines Messers vor dem Hals vor sich hergetrieben worden sein. Zudem soll die Mutter vor den Augen des Kindes mit einem Messer ein Küchentuch durchgeschnitten und dabei gerufen haben: „Siehst Du, genauso kann ich auch deinen Hals durchschneiden. Dann verblutest Du.“

Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen

Die bislang nicht vorbestrafte Angeklagte berief sich zum Prozessauftakt über ihren Anwalt auf ihr Schweigerecht. „Sie wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Angaben machen“, sagte Verteidiger Ralph Giebeler.

Um die Glaubwürdigkeit des Mädchens zu überprüfen, haben die Hagener Richter eine Aussagepsychologin hinzugezogen. Die Anklage lautet auf Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung. Für den Prozess sind vorerst noch drei Verhandlungstage bis zum 26. November vorgesehen.

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