"Dantons Dilemma" zerstört die Welt des Bildungsbürgers

Theater im Depot

90 Minuten lang bricht die Bücherwand des Bildungsbürgers auf der Bühne im Theater im Depot zusammen. Und wird in "Dantons Dilemma" humorvoll wieder zusammengefügt. Das ist kurzweilig und packend inszeniert, finden wir. Ein Premierenbesuch.

DORTMUND

von Von Fabian Paffendorf

, 07.10.2013, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Dantons Dilemma" zerstört die Welt des Bildungsbürgers

Verzweifelt an der Welt, und da hilft auch Wodka nicht: Schauspielerin Janina Rudenska in Dantons Dilemma.

Karten
Weitere Vorstellungen im Theater im Depot, Immermannstraße 29: 25. Oktober (Freitag), 26. Oktober (Samstag), 29. November (Freitag) und 30. November (Samstag). Jeweils 20 Uhr.

Die Karten gibt es im Vorverkauf für 13 Euro (ermäßigt 8 Euro), an der Abendkasse 15 Euro (ermäßigt 10 Euro)

Kartenvorbestellung unter Tel. 9 82 23 36 oder per E-Mail: ticket@theaterimdepot.de sowie im RN-Servicecenter, Silberstraße 21, Tel. 90 59 59 59.

„Mitkommen, geht gleich los!“, ruft Hecht und winkt die Besucher hinter sich her. Langsam werden die Regler der Stereoanlage nach rechts gedreht. „Jenseits des Kanals“ von der Hamburger Band „Tocotronic“ schallt aus den Boxen. Matthias Hecht dirigiert die Gäste beim Mitsingen, Akteurin Janina Rudenska verteilt dabei reichlich Wodka und Fiona Metscher schwingt tanzend eine Flasche Sekt durch die Menschentraube.

Als sich die Tür zum Saal öffnet, herrscht Gewissheit: Man hat sich anstecken lassen, ist bereits unbewusst zum Mittäter innerhalb eines Kollektivs geworden. Die Videoprojektion auf einer Wand aus Pappkisten verkündet „Hedonism reloaded“. Stampfende Techno-Beats hämmern aus den Lautsprechern und im Stroboskoplicht tanzt das Ensemble jubelnd durch die Reihen. Erst der Auftritt von Martin Hohner beendet das Treiben. Nein, zur Ausgelassenheit gibt es wohl weniger Grund, als vermutet wurde. „Massentierhaltung ist grausam, aber Hamburger bei McDonald’s schmecken doch so gut.“ Und die H&M-Mode trägt jeder gern, obschon in Bangladesch die Nähfabriken einstürzen und dabei Todesfälle zu verzeichnen sind, oder?

Die Sentenz: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Adorno hatte Recht und auch der Bert Brecht, als er bemerkte, dass man diese Welt, wie sie ist, doch in der Pfeife rauchen sollte. Da die Assimilation des Aufständischen scheitert, begibt man sich gemeinsam daran, die Wand einzureißen. Damit, dass Schokolinsen in der Hand schmelzen rechnet das Quartett jedoch nicht. Den schleppend anlaufenden Aufbau einer Demokratie, die der Revolution folgen soll, begießt man mit Cocktails. Den Vertretern der Konsensgesellschaft ist das alles zu mühsam. Deshalb beschließt man, Rat einzuholen. Wenn weder Robespierre noch Zizek etwas hergeben, dann bietet sich eben George Danton an. Der „Experte“ für angewandte Revolutionswissenschaften überreicht den Planlosen eine Karte, die zum Erkenntnisgewinn führen soll. Wenn 90 Minuten lang die Bücherwand des Bildungsbürgers auf der Bühne zusammenbricht und humorvoll in „Dantons Dilemma“ wieder zusammengefügt wird, ist das kurzweilig und packend inszeniert. Frei auf Georg Büchners „Dantons Tod“ fußend, reist das Ensemble durch die Vielzahl an Dilemmata zwischen Philosophie und Politikwissenschaften.  

Karten
Weitere Vorstellungen im Theater im Depot, Immermannstraße 29: 25. Oktober (Freitag), 26. Oktober (Samstag), 29. November (Freitag) und 30. November (Samstag). Jeweils 20 Uhr.

Die Karten gibt es im Vorverkauf für 13 Euro (ermäßigt 8 Euro), an der Abendkasse 15 Euro (ermäßigt 10 Euro)

Kartenvorbestellung unter Tel. 9 82 23 36 oder per E-Mail: ticket@theaterimdepot.de sowie im RN-Servicecenter, Silberstraße 21, Tel. 90 59 59 59.

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