Darum wandeln die Höhner auf Mozarts Spuren

Im Interview: Henning Krautmacher

Klassik und die Höhner – das passt perfekt zusammen, sagt Frontmann Henning Krautmacher. Am 29. August spielt er mit seiner Band und der Jungen Sinfonie Köln in der Philharmonie Essen. Sandra Heick sprach mit ihm über Grenzen, Mozarts Humor und eine Premiere.

ESSEN

, 05.08.2015 / Lesedauer: 4 min

Herr Krautmacher, was verbindet Sie mit der Klassik? Ich habe mich gefreut wie Bolle, Klassik machen zu dürfen, mit bombastischem Orchester-Sound, vor bombastischer Kulisse. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen E- und U-Musik, zwischen „ernsthafter Musik“ und Unterhaltungsmusik, der zählt.

Musik ist immer etwas Lebensbejahendes, das hilft, den Kopf nicht in den Sand zu stecken – ob es sich jetzt um Karnevalsschlager oder Werke von Mozart handelt.

Ziehen klassische Musiker da eher Grenzen? Als wir vor über 20 Jahren auf die Junge Sinfonie Köln zugegangen sind, da wollte eine Handvoll Musiker nicht mehr Teil des Orchesters sein. Diese Musiker konnten das nicht verbinden: Höhner und Klassik. Und sie sind dann auch tatsächlich gegangen. Ihre selbst gesteckte Grenze war unaufweichbar. Sie wollten Mozart und Tschaikowsky spielen. Unsere Musik nicht.

Aber die meisten sind geblieben. Und sie haben Spaß mit uns! Es ist ja nicht so, dass die Sinfoniker schlicht unsere Songs begleiten. Wir experimentieren, begleiten auch klassische Stücke. Für die Classic-Konzerte werden sogar eigens Ouvertüren geschrieben, in denen sich Höhner-Melodien verstecken. Sie zeigen, wie unsere Werke klingen könnten, wenn Brahms sie geschrieben hätte. Es ist so vieles möglich, wenn man Grenzen ignoriert.

1993 hatten Sie plötzlich ein Orchester im Rücken, wo sonst oft ein närrischer Prinz und sein Hofstaat stehen. Wie kam es dazu? Ich habe meinem Sohn ein Lied geschrieben, aber es ist zu persönlich geworden, um es zu veröffentlichen, sagten meine Bandkollegen. Ich konnte das verstehen.

Zwei, drei Jahre später bekam ich dann ein Demo zu hören, mit einem Sinfonieorchester aus der Keksdose, mit Synthesizer-Klängen: „Mona Lisa“. Ein Lied über Vaterfreuden. Das wollte ich gern mit echtem Orchestersound hören. Ein paar Anrufe später hatten wir die Jungen Sinfoniker für uns gewonnen. Und dann haben wir größer als einen Song gedacht.

Ist das Publikum dasselbe wir bei den anderen Höhner-Konzerten, nur anders gekleidet? Es gibt eine Schnittmenge: Fans, die zu allen Höhner-Konzerten kommen, für die sie eine Karte ergattern. Sie tauschen ihre Jeans gegen etwas Schickes – und das muss nicht das Abendkleid sein. Aber es gibt auch Menschen im Publikum, die nie aufs Höhner-Konzert im Kölner E-Werk gehen würden. Die die Edelvariante mit Bier statt Sekt bevorzugen.

 

Wie schick werden Sie sein?

Wir tauschen unsere farbenfrohen Bühnenoutfits gegen seriöse Gehröcke. Anfangs waren unsere Classic-Outfits ein bisschen over the top, würde ich sagen. Dass jedes Bandmitglied einen knalligen Frack in einer anderen Farbe trägt, ist Geschichte. An diese Zeit erinnern jetzt nur noch feine Applikationen an Ärmeln und Kragen. Meine sind orange.

Was unterscheidet ein klassisches Konzert von einer Karnevalssitzung? Was haben beide gemeinsam? Gemeinsamkeit ist die Freude an der Musik. An Melodien, die man wiedererkennt. Das kann die "Kleine Nachtmusik" sein, und das kann „Echte Fründe“ sein. Was Erinnerungen weckt, weckt auch Gefühle.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist Unterhaltung, obgleich sich die Form unterscheidet. Die Karnevalssitzung ist rustikaler, ein wenig grobschlächtig. Beim klassischen Konzert ist mehr Tiefgang möglich. Das Publikum hört anders zu. Und die Akustik im E-Werk ist Welten entfernt von der Akustik in der Essener Philharmonie.

Wie viel Humor verträgt die Klassik? Sie verträgt ganz viel Humor! Der hat mit der Lust am Leben zu tun, ganz genau wie die Musik. Und: Auch ein Mozart war ja durchaus ein humorvoller Zeitgenosse.

Wie lange proben Band und Sinfoniker gemeinsam für die Höhner-Classic-Konzerte? Anfangs haben wir eine Woche für die gemeinsamen Proben gebraucht, die sich an die intensiven Proben in den Abteilungen der Jungen Sinfoniker anschließen. Jetzt ist es ein Tag.

Wir treffen uns in Köln – im E-Werk – und musizieren von 13 bis 22 Uhr. Oder bis 23 Uhr. Oder 24 Uhr. Wir testen Moderationen, das Zusammenspiel, die Auf- und Abgänge. Danach genügt ein Blickkontakt, um Fehler so zu überspielen, dass das Publikum sie nicht bemerkt.

Es ist das 23. Jahr, in dem die Höhner sich der Klassik stellen. Was ist neu? Es gibt immer Überraschungen. Und diesmal wird es vor allem eine Überraschung für Janus Fröhlich und Peter Werner geben. Essen ist der vorletzte Spielort für die beiden Ur-Höhner, die den Formel-1-Musikern Wolf Simon und Micki Schläger nach 43 Jahren den Weg frei machen. Janus und Peter werden künftig eher im Hintergrund agieren, im Management oder als Gastmusiker.

Und für die neuen Höhner ist es eine Premiere. Genau. Die „alten“ Höhner werden die erste Hälfte des Konzerts spielen, dann haben die neuen Bandmitglieder ihre Classic-Premiere in Essen. Am Ende werden dann alle zusammen musizieren, acht Popmusiker mit 85 Sinfonikern im Rücken. Solch ein Ensemble hinter sich stehen zu haben, das ist wohl der Traum eines jeden Musikers.

Höhner Classic, Höhner und Junge Sinfonie Köln: 26., 27. und 28. August, Philharmonie Köln, 20 Uhr sowie 29. August, Philharmonie Essen, 20 Uhr. Karten (ab 23 Euro): Tel. 0 18 06-57 00 70.