„Das Boot“ lief vor 30 Jahren im Fernsehen

Überragend und stilprägend

Die Ausstrahlung von Wolfgang Petersens "Das Boot" war der ARD eine Doppelmoderation wert. "Ein großer Fernsehabend", hieß es da, und der Fernsehspiel-Chef des Süddeutschen Rundfunks sprach von der Begegnung mit einer Vergangenheit, die man "weder beschönigen noch verklären" wolle.

MÜNCHEN

, 22.02.2015, 11:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Das Boot“ lief vor 30 Jahren im Fernsehen

Auf Tauchfahrt: Jürgen Prochnow (r.) mit Herbert Grönemeyer (2.v.r.) in einer Szene des Films »Das Boot«.

Am 24. Februar 1985, also Dienstag vor 30 Jahren, flimmerte der erste von drei Teilen eines Films über deutsche Mattscheiben, der Geschichte schrieb. "Das Boot" ist ein frühes Beispiel für den sogenannten "Amphibienfilm", finanziert aus Fernsehgeld und Film-Fördertöpfen, deshalb als Kinofassung (143 Minuten) und als TV-Mehrteiler (282 Minuten) konzipiert.

Erfolgreich war das U-Boot-Drama in beiden Medien. 3,8 Millionen deutsche Zuschauer lösten im Herbst 1981 eine Kinokarte. Und die ARD meldete 1985 Rekord-Einschaltquoten.

Ausstatter legte großen Wert auf Details

32 Millionen Mark verschlang die Produktion. Der Dreh dauerte länger als ein Jahr. Diverse Modelle von U96 wurden gebaut, ein tauchfähiges von elf Meter Länge, ein 5,5 Meter großes kam im Bassin der Bavaria-Studios zum Einsatz. Eine 50 Meter-Kulisse vom Boots-Inneren kann noch heute bei einer Studiotour in München besichtigt werden.

Ausstatter Rolf Zehetbauer legte größten Wert auf die Details in der Röhre. Jeder Schalter war einem Original in Kiel-Laboe abgeguckt, stand das Boot doch im Rang eines Hauptdarstellers.

Psycho-Kammerspiel

In diesem Stahlkäfig, wo 45 Mann in klaustrophobischer Enge zusammengepfercht waren, nahm das Drama seinen Lauf. Nichts anderes hatte Wolfgang Petersen (auch Drehbuch) im Sinn: Ein Psycho-Kammerspiel wollte er machen, keinen Kriegsfilm in Gestalt eines Action-Reißers, den Lothar-Günther Buchheims Roman von 1973 auch hergegeben hätte.

Die Liste der Schauspieler liest sich wie ein Who is who des deutschen Films: Jürgen Prochnow, Otto Sander, Herbert Grönemeyer, Heinz Hoenig, Ralf Richter, Klaus Wennemann, Jan Fedder, Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge. Für viele wurde "Das Boot" zum Karriere-Sprungbrett. Jürgen Prochnow, von der Crew Herr Kaleu (Kapitänleutnant) und "der Alte" genannt, verkörperte den Kommandanten von U96.

Sechs Oscar-Nominierungen

Prochnow drehte später in Hollywood, der Kaleu aber blieb die Rolle seines Lebens. Apropos Hollywood: "Das Boot" errang keinen Oscar (obwohl 1983 sechs Mal nominiert), nötigte den Amerikanern aber Respekt ab und spielte in den USA knapp 12 Millionen Dollar ein. In einem Kraftakt hatte das deutsche Kino gezeigt, dass es mit Hollywood gleichziehen konnte.

Plötzlich waren die Deutschen (im Kern Bernd Eichinger, der "Das Boot" nicht produzierte, aber clever vermarktete) namhafte "Player" auf dem Weltmarkt, die 1984 mit der "Unendlichen Geschichte" (Regie: Petersen) einen weiteren Coup landeten.

Schlüsselfilm des deutschen Kinos

Für Petersen ging mit dem "Boot" sein Stern als Top-Regisseur der Traumfabrik auf. Clint Eastwood bewunderte den Film und engagierte Petersen für "In The Line Of Fire". Der hatte nun die Weihen als Mann für Blockbuster-Stoffe wie "Outbreak", "Air Force One", "Der Sturm", "Troja" "Poseidon".

Im Rückblick, auch nach über 30 Jahren, bleibt "Das Boot" ein Schlüsselfilm des deutschen Kinos. Handwerklich gilt er als überragend und stilprägend für das U-Boot- Genre. Wie populär der Stoff ist, mag man daran ablesen, dass er mit "U 900" (und Atze Schröder) parodiert wurde, und eine Techno-Version von Klaus Doldingers Titelmusik 1991 die Hitparaden stürmte. Tanz den Herrn Kaleu!