Das Büdchen um die Ecke

Kiosk-Fotos in Duisburg

Klümpchen in allen Variationen, unzählige Zeitschriften und natürlich auch schmackhafte Biere gehören zu den Eckpfeilern des typischen Ruhrpott-Kiosks. Passend zum Tag der Trinkhallen am 20. August widmet das Museum DKM in Duisburg den Buden unter dem Titel "Trinkhallen und mehr" eine Ausstellung mit Fotografien von Tata Ronkholz.

DUISBURG

, 05.08.2016, 16:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Büdchen um die Ecke

Die Fotografien von Tata Ronkholz zeigen typische Ruhrpott-Trinkhallen aus den 1970er Jahren – hier einen Kiosk an der Sittarsberger-Allee in Duisburg-Wedau.

An der beklebten Tür hängt eine große Tafel mit Bildern von verschiedenen Eissorten, links daneben ein alter Zigarettenautomat. Die Gardinen hinter dem kleinen Schiebefenster sind zugezogen. Aber es gibt eine Klingel. Und einen Seiteneingang für Kunden, die größere Einkäufe planen - direkt neben der Ladentür von "Sabines Motorrad-Shop". So sieht er aus, der sympathische Kiosk auf einem der Fotos von Tata Ronkholz.

Hoher Nostalgiefaktor

In ihren zwischen 1979 und 1983 entstandenen Bildern hat die gebürtige Krefelderin, die bereits 1997 starb, genau festgehalten, was eine echte Ruhrpott-Bude ausmacht. Dass die Fotografien schwarz-weiß sind, schadet nicht, sondern erhöht den Nostalgiefaktor. Es sind kleine Wimmelbilder, deren Details verraten, wo genau sie entstanden sind - Biertrinkern genügt dazu in der Regel ein Blick auf die Werbeschilder.

"Sie wollte die Büdchen um die Ecke in ihrer ganzen Liebenswürdigkeit zeigen, bevor sie verschwinden", sagt Museumssprecherin Sarah Kraschewski über Ronkholz, deren Fotografien von Werkstoren ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Im Fokus stehen allerdings unverkennbar die Trinkhallen - echte Ruhrpottkultur, die jedoch allmählich tatsächlich zu verschwinden scheint.

Ursprünge im 19. Jahrhundert

Dabei gelten die Buden, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurden, um Bergleute und Arbeiter zu versorgen, dort, wo es sie gibt, nach wie vor als sozialer Treffpunkt. Und viele Menschen verbinden besondere Kindheitserinnerungen mit ihnen. "Eine Dame hat mir kürzlich noch erzählt, dass sie als Kind immer darauf gewartet hat, dass Papa seine Bierflasche austrinkt. Dann rannte sie zum Kiosk und kaufte sich vom Pfand ihre Klümpchen", sagt Kraschewski.

Dass es die an den in der Ausstellung gezeigten Trinkhallen immer noch gibt, ist eher unwahrscheinlich. Charmant sind die Fotografien aber auch so - vom "Kraftfahrer-Imbiss" mit dem auffälligen Werbeschild eines Erfrischungsgetränke-Produzenten bis hin zur selbst erklärten "Verkaufshalle".

Zum am Samstag, 20. August, werden zwischen 16 und 22 Uhr ruhrgebietsweit knapp 50 ausgewählte Buden zu Schauplätzen für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen. Auf dem Programm stehen unter anderem Poetry Slam und Literatur, Kabarett und Kleinkunst, Musik von Rock/Pop, Jazz und Weltmusik bis zu Klassik und Elektro – live gespielt von Bands und DJs.  Duisburg: „Trinkhallen und mehr. Tata Ronkholz“, bis 28.8.2016, Güntherstraße 13-15, Sa/So/ feiertags und jeden ersten Freitag im Monat 12-18 Uhr.

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