Das Denkmal "Marie Curie" wird auf Hochglanz poliert

Neu im Kino

Zwei Nobelpreise, dazu die erste Frau, die einen bekam: Ein Film über die brillante Physikerin und Chemikerin Marie Curie (1867-1934) könnte sich an ihrem Genius abarbeiten, am Nimbus der starken Frau in einer Männerdomäne. Dann gibt es noch den Menschen Marie, ihr privates Leben, ihre Töchter, die Ehe mit dem tragisch verunglückten Pierre, die Affäre mit einem verheirateten Kollegen, die sie fast den zweiten Nobelpreis gekostet hätte.

02.12.2016, 19:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Denkmal "Marie Curie" wird auf Hochglanz poliert

Karolina Gruszka spielt Marie Curie.

Regisseurin Marie Noëlle packt alles auf einmal in ihre Filmbiografie "Marie Curie", sie will wohl die ganze Frau zeigen, Denken und Fühlen, Geist, Körper, Seele. Wogegen nichts zu sagen ist, würde der Film nicht Episode für Episode chronologisch abspulen, ohne Akzente zu setzen, ohne zu gewichten, ohne einen dramaturgischen Schlüssel zu haben. Das Resultat ist ein ansprechend fotografierter, historischer Bilderbogen, der vieles antippt, emotional aber wenig bewegt und auf wohlfeilen Beifall spekuliert. Motto: Ach, Marie, sie hatte es nicht leicht!

Ikone soll glänzen - sonst nichts

Denkmalspflege der bequemen Art. Einfach oberflächlich drüber wischen, dann wir die Ikone schon glänzen. Mit der aparten Karolina Gruszka, Polin wie Curie auch, hat Noëlle eine fotogene Hauptdarstellerin, die beinahe zu hübsch ist für die Rolle. Eine zarte, leicht ätherische Marie, deren Robustheit im Willen liegt, nicht in körperlicher Konstitution.

Sie steckt den Tod des Mannes (Charles Berling) weg, die schleichende Vergiftung durch Radium und Polonium, die Missgunst altväterlicher Professoren. Marie ertrotzt sich den Lehrstuhl an der Sorbonne, Einstein nennt sie "die klügste der Frauen". "Auch der Männer", sagt sie selbstbewusst. Und sexy ist sie auch, wie die (unnötigen) Intimfotos beweisen sollen. Klug, stark, schön - das Idealgemälde einer Heldin.