Das Dortmunder Opernhaus hat für 26 Journalisten eine Geister-Premiere gefeiert

rnTheater Dortmund

Konzerte, die ins Internet gestreamt werden, gibt es schon. Vielen Theatern fehlt dafür die Technik. In Dortmund gab es die erste Premiere ohne Publikum. Die Atmosphäre war gespenstisch.

Dortmund

, 14.03.2020, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Hamburger Elbphilharmonie hat James Blunt am Mittwoch vor leeren Rängen gespielt. Sein Auftritt wurde als Geisterkonzert ins Internet gestreamt.

Und auch in der Berliner Philharmonie geht der Spielbetrieb weiter – ohne Publikum, im Internet, und die „Digital Concert Hall“ der Berliner ist jetzt sogar kostenfrei. In den Opernhäusern der Region ist das Streamen noch Zukunftsmusik, wird aber kommen.

Das überregionale Interessen an dieser Inszenierung ist groß

Völliges Neuland war am Freitag die Geisterpremiere im Dortmunder Opernhaus: „Generalprobe 2“ nannte das Theater die Aufführung Aubers Oper „Die Stumme von Portici“.

Ein Trüppchen von 26 Journalisten marschierte durch den Künstlereingang in das gespenstisch leere Haus. „Auch für uns ist das eine neue Situation – eine, die wir hoffentlich nicht noch einmal erleben müssen“, begrüßte Opernintendant Heribert von Germeshausen die Journalisten.

Ein paar Blogger und Kritiker von Tages- und Wochenzeitungen, Fachzeitschriften und Sendern waren gekommen. Das überregionale Interesse an der Aufführung ist groß: Dies ist eine Rarität auf den Bühnen, und der Regisseur ist einer der berühmtesten Regisseure in Deutschland: Peter Konwitschny, der damit in Dortmund auch seine Handschrift für seine Inszenierung von Wagners „Ring“ hinterlassen hat.

Viel Platz, aber wenig Applaus - zu Unrecht

19.20 Uhr: Einlass. Freie Platzwahl, jeder könnte eine Reihe für sich allein haben; es ist Platz für Mäntel und Taschen. Chipstüten packt keiner aus, aber die Kritiker machen es sich gemütlich.

Der Saal mit 1180 Plätzen sieht so aus, als hätte dort gerade eine Vorstellung stattgefunden, nur das Regiepult steht noch im Gang vor Reihe 16. Peter Konwitschny sitzt im Publikum, Dirigent Motonori Kobayashi steht im Anzug im Graben – es kann losgehen.

Schade, dass diese schöne Aufführung nicht mehr Menschen sehen konnten

Der Begrüßungsapplaus ist spärlich – Journalisten sind klatschfaul. Szenenapplaus gibt es in der zweieinhalbstündigen Vorstellung gar nicht – mit Publikum wird das ganz anders sein.

Pause. Im Foyer gibt es Laugengebäck und Getränke, man hält Abstand, bedauert, dass die schöne Vorstellung nicht mehr Menschen sehen dürfen. Von sechs geplanten Vorstellungen bleiben zwei. Ersatztermine oder eine Wiederaufnahme in der nächsten Saison sind nicht möglich.

Die Kultur fehlt schon jetzt

Um 21.15 Uhr beginnt der zweite Akt. Am Ende bricht im Bühnenbild der Vesuv aus. Auch das Feuer (mit Überwachung der Feuerwehr) findet in der Geisterpremiere statt.

Am Schluss gibt es begeisterten Applaus von allen 26 – natürlich klingt der spärlich, traurig für Sänger, Musiker und Regisseur, die zu zwei Vorhängen heraus kommen.

Schön, wenn man privilegiert ist, dabei gewesen zu sein. Für alle anderen ist es einfach schade. Die Kultur fehlt schon jetzt, nach einem Wochenende. Aber in zehn Jahren werden wir bestimmt mit Internetstreams getröstet.

Für diese beiden Vorstellungen gibt es Karten:

Für die beiden einzigen Vorstellungen, die am 8. und 23. Mai im Opernhaus Dortmund geplant sind, gibt es Karten unter Tel. (0231) 5027222 oder www.theaterdo.de

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