Das Geheimnis der Reproduktionszahl und warum sie so wichtig ist

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Wochenlang spielte sie so gut wie keine Rolle, doch jetzt erlebt die Reproduktionszahl eine Wiedergeburt. Experten schauen gebannt auf die Entwicklung dieses Werts.

Dortmund

, 06.11.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Täglich ermittelt das Robert-Koch-Institut die sogenannte Reproduktionszahl und veröffentlich sie in seinem Lagebericht. Sie ist ein entscheidender, wenn auch nicht der einzige Indikator, um zu beurteilen, wie sich die Corona-Pandemie ausbreitet: Droht eine exponentielle, unkontrollierbare Ausbreitung des Virus oder handelt es sich um eine lineare oder gar sich verlangsamende Ausbreitung? Letztere ist zwar auch nicht schön, aber man kann sie in den Griff bekommen.

Dabei verläuft die Grenze zwischen Gut und Böse genau bei der Zahl 1,0. Dieser Wert bedeutet: Im Durchschnitt steckt ein Infizierter wieder einen anderen Menschen mit dem Virus an. Wenn der Wert höher als 1,0 ist, etwa bei 2,0 liegt, bedeutet das: Ein Infizierter steckt zwei andere Menschen an. Das führt dann zu einer rasanten Erhöhung der Fallzahlen und einem in kürzester Zeit explosionsartigen Anstieg.

Dabei muss man wissen, dass in die Berechnung der Reproduktionszahl eine Vielzahl von Faktoren einfließen. Das Robert-Koch-Institut erklärt das mit folgenden Worten sicherlich absolut korrekt, aber nicht gerade für jeden erhellend: „Bei einer konstanten Generationszeit von 4 Tagen, ergibt sich R als Quotient der Anzahl von Neuerkrankungen in zwei aufeinander folgenden Zeitabschnitten von jeweils 4 Tagen.“ Verstanden?

Wenn nicht, ist das nicht weiter schlimm, da das eine Sache für Mathematiker ist. Wichtig zu wissen ist dabei allerdings, dass der R-Wert nicht nur einen Tag betrachtet, sondern eine Zeitspanne von etwa vier Tagen in den Blick nimmt. Dabei werden bei einer Neuinfektion auch die beiden Tage, bevor man Symptome zeigt, berücksichtigt, weil man bereits in diesen Tagen ansteckend ist.

Zwei Werte: R-4 und R-7

Was die ganze Sache noch ein wenig unübersichtlicher macht, ist die Tatsache, dass es zwei Reproduktionszahlen gibt: den R-4-Wert und den R-7-Wert. Der Unterschied ist leicht erklärt: Der R-4-Wert erfasst eine Zeitspanne von vier Tagen, der R-7-Wert eine solche von sieben Tagen. Letzterer vermeidet so allzu große Sprünge.

Am Freitag, 6. November liegt der 4-Tages-Wert bei 0,79, der 7-Tages-Wert bei 0,93 und damit deutlich unter dem kritischen Wert von 1. Dass trotz dieser günstigen Entwicklung bei der Reproduktionszahl die Zahl der Infektionen weiterhin hoch ist und an diesem Tag mit 21.506 Neuinfektionen ein neuer Höchststand erreicht wird, hängt damit zusammen, dass die Zahl der Infizierten aktuell ebenfalls sehr hoch ist.

Ein Beispiel zur Erklärung

Das lässt sich leicht an einem Beispiel erklären: Wenn 1.000 Menschen infiziert sind und jeder von ihnen steckt bei einem hohem R-Wert von 2 zwei weitere Menschen an, steigt die Zahl der Fälle um 2.000. Gibt es dagegen 10.000 Infizierte, aber einen R-Wert von nur 0,6, gibt es trotz des niedrigen R-Werts 6.000 Neuinfektionen, also die dreifache Menge. Mit anderen Worten: Wenn die Reproduktionszahl sinkt, dauert es eine ganze Weile, bis sich das auch in der Zahl der Neuinfektionen niederschlägt.

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