Das Leben ist, was wir daraus machen

"Zu Ende ist alles erst am Schluss"

Großmutter kommt ins Altersheim. Während die Leiterin von paradiesischen Zuständen faselt, mustert Oma die Scheintoten im Foyer und ihr karg möbliertes Zimmer. Nein, das Heim ist nicht so toll, und das Leben auch nicht im Film "Zu Ende ist alles erst am Schluss".

27.03.2015, 19:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Annie Cordy (Madeleine) und Mathieu Spinosi (Enkelsohn Romain) bilden ein harmonisches Duo.

Annie Cordy (Madeleine) und Mathieu Spinosi (Enkelsohn Romain) bilden ein harmonisches Duo.

Unterschreiben würde das auch ihr Sohn Michel (Michel Blanc), der mit Leichenbittermiene und Genörgel seiner Frau auf den Wecker geht. Eine ausgewachsene "Rentner-Krise" sieht Michel nur bei anderen, doch er steckt selber mittendrin.

Sympathisches Kinostück

"Zu Ende ist alles erst am Schluss" heißt der auf den ersten Blick unspektakuläre Film aus Frankreich. Eine Tragikomödie im grauen Alltagskleid. Frust fressen und "low life" statt bunter Seifenblasen - in der Nähe zum Leben liegt die sympathische Grundierung dieses Kinostücks.

Regisseur Jean-Paul Rouve lässt uns in diverse Gefühlslagen schnuppern. Michels Sohn Romain (Mathieu Spinosi) jobbt im Hotel, studiert Literatur und würde gern die Frau seines Herzens treffen. Ist es das Mädel auf der Beerdigung, mit dem er Blicke tauscht? Oder die Lehrerin von der Küste, wo Romains Oma in Erinnerungen an ihre Kindheit schwelgt?

Es wird schon werden

Während sein Papa glaubt, das Glück sei immer da, wo er nicht ist, zeigt Romain den Optimismus der Jugend: Es wird schon werden. Leben ist, was du daraus machst, sagt der Film mit einem spöttischen Zwinkern. Im Kern plädiert das Drehbuch für mehr Gelassenheit. Es wird geküsst, es wird gestorben, wir müssen’s nehmen, wie es kommt.

Heiteres und Trauriges reichen sich die Hand. Oma wird vermisst, ist sie womöglich tot? Michel, der Choleriker (von Blanc köstlich gespielt) kriegt die Motten. C’est la vie: Probleme kommen, Probleme gehen. Getragen wird der Film von wunderbaren Schauspielern. Etwas Kintopp ist aber doch dabei, wenn der Kassierer einer Tanke zum Gralshüter existenzieller Philosophie ausgerufen wird: "Nehmen Sie doch ein Twix!" Warum? "Weil da zwei drin sind!"

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