„Das Leuchten der Erinnerung“ schickt Oma und Opa auf Reisen

Im Kino

Helen Mirren und Donald Sutherland gehen im Film „Das Leuchten der Erinnerung“ auf große Fahrt im Camping-Bus. Doch wie klappt das, wenn einer an Demenz leidet und der andere mit dem Krebs kämpft?

Dortmund

, 05.01.2018 / Lesedauer: 3 min
„Das Leuchten der Erinnerung“ schickt Oma und Opa auf Reisen

Ella (Helen Mirren) und John (Donald Sutherland) genießen einen Moment des Glücks am Strand. Foto: Concorde

Sohn und Tochter kriegen die Motten. Ihre Eltern haben sich den Campingbus geschnappt und sind ins Blaue gefahren! Die Kinder sind in heller Auflösung, schließlich leidet ihr alter Vater an Demenz und die Mutter an Krebs. Wo wollen die beiden hin, wie soll das gutgehen?

Großartiges Roadmovie

Keine Sorge. John (Donald Sutherland) und Ella (Helen Mirren) mögen betagte Großeltern sein, aber sie bilden ein Gespann, das aufeinander aufpasst. Ihre Beziehung und die Reise nach Florida ist der (Treib-) Stoff des großartigen Roadmovies „Das Leuchten der Erinnerung“, das nur dem deutschen Titel nach an die Schmachtfetzen von Nicholas Sparks denken lässt. Im Original heißt Paolo Virzis Film „The Leisure Seeker“, also Entspannungs-Sucher, so nennt Ella den Campingbus, in dem John am Steuer sitzt.

Fahren kann der Alte noch gut, weil er ganz im Hier und Jetzt zuhause ist. Was vor zehn Minuten war, hat er vergessen. Die Vergangenheit ist ihm entglitten, nur manchmal werden Erinnerungsfetzen an die kleine Insel gespült, die er sein Gedächtnis nennt. Typisch für das Krankheitsbild.

Demenz wird einfühlsam und stimmig abgebildet

Wer einen Demenzfall in der Familie hat, erkennt schnell, wie einfühlsam und stimmig der Film dieses Leiden abbildet. Kein Vergleich mit dem drolligen Schmarrn, den uns Til Schweigers „Honig im Kopf“ auftischte.

Große Klasse, wie Sutherland den Kranken mimt. Wie sein Blick auf einmal ins Leere geht, wenn er versucht, einen Gedanken festzuhalten. Ebenso gut spielt Helen Mirren die Entgeisterung, wenn John wieder einen Blackout erster Güte fabriziert. Man sieht ihrer Ella die Belastung ewigen Sich-Kümmerns an.

Dennoch: „Das Leuchten der Stille“ ist kein Trauerkloß, sondern eine warmherzige Komödie. Sie feiert die Liebe und das Leben, schlägt der Tragik ein Schnippchen, ohne etwas zu beschönigen, und lebt von Schauspielern im Zenit ihrer Kunst. Bewegend, wunderbar und sehenswert.