„Das Märchen der Märchen“ ist nur ein barocker Bilderbogen

Neu im Kino

Ein Herrscher hütet einen Floh in der Größe eines Schafes. Ein altes Weib wird vom König (John C. Reilly) umgarnt, der sie für eine holde Jungfrau hält. Ein Prinz ist gut Freund mit einem Burschen niederen Standes, der ihm gleicht wie ein Zwilling. Die Königin (Selma Hayek) verbietet ihm jeden Kontakt.

NRW

, 01.09.2015, 15:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Das Märchen der Märchen“ ist nur ein barocker Bilderbogen

Salma Hayek und John C. Reilly spielen das Königspaar.

Geschichten aus dem "Pentameron" von Giambattista Basile, italienische Märchen aus dem 17. Jahrhundert. Matteo Garrone verwebt sie zu einem Film, "Das Märchen der Märchen", dessen bizarre magische Welt Pasolinis "Tolldreisten Geschichten" so viel schuldet wie den dunkel surrealen Episoden in Fellinis "Satyricon".

Bilder und Stimmungen, fantastisch, poetisch, beklemmend, tragen den Film. Es sind beileibe keine Kinder-Märchen, sie wachsen auf einem Urgrund der Psyche, wo Angst, Gewalt und Schrecken sprießen. Die Moral ist schwer fassbar, es sind vage Allegorien über Leben und Tod, von Garrone blumig barock, aber auch blutig in Szene gesetzt.

Schön wie ein Gemälde

Eine faltige Alte will wieder jung werden wie ihre Schwester, die von einer Fee gesäugt wurde. Der Scherenschleifer soll sie häuten. Eine Prinzessin muss ein Scheusal von Menschenfresser heiraten. Hier kippt das Märchen in ein Horrormärchen.

Optisch ist die Tafel reich gedeckt. Der Zauberwald schimmert moosgrün. In der Trutzburg glänzt höfische Pracht, die Kostüme sind ein Gedicht. Das Bacchanal des Königs sieht aus wie ein Gemälde. Stimmungsvoll die Musik (Harfe, Glockenspiel) von Alexandre Desplat. Weil das Drehbuch keine Akzente setzt, alles im gleichen Atem und Ton abspult, fehlt es dem Film an dramatischem Feuer. Er bleibt ein Bilderbogen, schön und grotesk, aber spannungsarm.