Das Museum als Abenteuer

Szenografie-Fachtagung in Dortmund

DORTMUND. Ein Museum soll provozieren. Es soll aktuell sein und Wissen aus der Vergangenheit bieten, mit dem wir die Gegenwart besser bewältigen können. Ganz schön anspruchsvoll, was der Szenograf Henning Meyer von modern gestalteten Museen forderte. Allerdings haben er und seine Kollegen vom Unternehmen Space4 schon bewiesen, dass sie das tatsächlich verwirklichen können.

28.01.2016, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Szenografie" heißt die Kunst, einen Raum zu gestalten - im Museum, in einer Ausstellung, auf der Bühne. Kennen Sie nicht? Wahrscheinlich doch. Das faszinierende Ruhr Museum in Essen ist zum Beispiel von HG Merz gestaltet worden, das aufregende Römermuseum in Xanten vom Atelier Brückner. Das Unternehmen Space4 aus Stuttgart - geführt von den vier Architekten Alexander Minx, Oliver Mack, Henning Meyer und Jürgen Hess - hat das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gestaltet und arbeitet derzeit an einer neuen Freiherr-vom-Stein-Schau auf Schloss Cappenberg.

Die Orte sprechen lassen

"Wir wollen Orte sprechen lassen", sagte Architekt Henning Meyer, der anlässlich der 16. Szenografie-Tagung in der Dortmunder Arbeitswelt-Ausstellung Dasa zu Gast war. In einem brillanten Vortrag schilderte er, welche Aufgaben gerade kleine Museen heute übernehmen könnten. Zu oft seien Heimatmuseen "hässliche Entlein", die ihren wenigen Besuchern ein Sammelsurium von Gegenständen präsentieren.

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"Das Museum ist ein öffentlicher Ort, der außergewöhnliche Geschichten erzählen kann. Museen müssen Stadt mitgestalten, Mut haben, aktuell sein", meinte Meyer. Diese Aktualität sucht das Team von Space4 auch auf Schloss Cappenberg in Selm, wo es die neue Dauerausstellung zum Freiherr vom Stein entwirft. Der preußische Politiker hatte seine letzten Jahre bis 1831 auf Cappenberg verbracht. "Er hat politische Reformen durchgeführt und den Bergbau modernisiert", sagte Meyer. Das Ruhrgebiet sei ohne diese Leistung nicht denkbar.

Neugestaltung kostet 400.000 Euro

400.000 Euro gibt der Landschaftsverband-Westfalen-Lippe für die Neugestaltung aus. Eröffnung soll 2017 sein. Dann wird der Besucher durch acht Räume bummeln können - und zwar mit Kopfhörern. Ein "begehbares Hörspiel" nennt Meyer die Pläne. "Wir wollen eine Art Adventure Game schaffen, ein Abenteuerspiel." Durch modernste Technik weiß das System, wo sich der Besucher befindet, und spielt die passenden Informationen ab. "Die Texte in normalen Audioguides sind zu lang, bis zu zwei Minuten", sagt Meyer. "Bei uns werden die Erläuterungen deutlich kürzer sein." Auch Gefühle werden eine Rolle spielen. Meyer: "Der Freiherr war nicht immer ein angenehmer Mensch. Das muss man sagen dürfen."

Münsteraner Museum ist Meisterstück

Schon seit 2014 zu besichtigen ist das Meisterstück des Büros, das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. "Wir möchten Räume entwickeln, die eine gewisse Eindrücklichkeit haben", erklärt Meyer. Das hat geklappt: Wohl jeder Museumsbesucher erinnert sich an das Bockhorster Triumphkreuz in einem mystisch blauen Raum und die mittelalterlichen Überwasserfiguren in der roten Spitze des Gebäudes. Einst schmückten sie nebeneinander ein Kirchenportal, jetzt stehen sie in lockerer Gruppe herum. Meyer: "Das sind alles Individuen, das macht ihre Qualität aus. Warum sollten wir sie nebeneinander hinstellen wie die Soldaten?"

Ausstellungsgestalter treffen sich jedes Jahr zum Szenografie-Kolloquium in der Dortmunder Dasa. Diesmal diskutierten 250 Teilnehmer aus ganz Deutschland am 27./28. Januar 2016 das Thema "Museum und Stadt".

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