Das Musical „Jekyll und Heyde“ führt im Dortmunder Opernhaus ins Labor eines Monsters

Theater Dortmund

Ein neues Musical auf den Spielplan zu setzen, ist spannend und mal etwas anderes als immer nur „Evita“. Solch eine Entdeckung birgt aber das Risiko, nicht der ganz große Wurf zu sein.

Dortmund

, 13.10.2019, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Musical „Jekyll und Heyde“ führt im Dortmunder Opernhaus ins Labor eines Monsters

David Jakobs lässt es als Edward Hyde in seinem Labor auf der Dortmunder Opernbühne knallen. © Björn Hickmann/ stage picture

Die Dortmunder Oper ist dieses Risiko mit „Jekyll & Hyde“ eingegangen. Und wurde vom Publikum der Premiere im nahezu ausverkauften Haus belohnt. Geschlossen sprangen die Besucher nach dem Schlussakkord auf und feierten das Ensemble, die Dortmunder Philharmoniker und die Inszenierung. Dennoch muss man sagen, dass weder die Musik von Frank Wildhorn noch Buch und Liedtexte von Leslie Bricusse die Qualität eines frühen Webber- oder Bernstein-Musicals haben.

Ohrwürmer gibt es nur wenige in diesem Musical, das am Broadway für Furore gesorgt hat. „Dies ist die Stunde“ bleibt in Erinnerung, auch „Mein Leben“ hat das Potenzial zum Hit. Aber das war‘s dann auch schon, obwohl die glänzend aufgelegten Dortmunder Philharmoniker im Graben richtig toll groovende und rockende Klänge in den Saal stellten. Und Philipp Armbruster am Pult wird immer mehr zu einem der besten Musical-Dirigenten der Region.

Filmische Bilder

Zum Knaller und absolut sehenswert wird diese Produktion durch die Inszenierung von Gil Mehmert, dem fantastischen Musical-Hausregisseur der Oper Dortmund. Wie im Film lässt er in Kostüm (Falk Bauer) und Bühnenbild (Jens Kilian) ausgestaltete Bilder aus dem viktorianischen London auf der Drehbühne vorbeiziehen. Und wenn die Bühne nach oben fährt, blicken die Zuschauer ins Keller-Labor von Dr. Jekyll, in dem es effektvoll dampft und zischt und in dem sich der Wissenschaftler in den bösen, mordenden Edward Hyde verwandelt.

Vom Salon bis zum Pub, in dem Prostituierte wie Lucy ihre Dienste anbieten, bis zum Garten, in dem Dr. Hyde mit seiner Lisa flaniert, und der Kirche, in der die Hochzeit zwischen Hyde und Lisa schließlich eskaliert, zeigt das Regieteam schnell verwandelbare Räume.

Und die leben - wie die Charakterisierungen der beiden Hauptdarstellerinnen und die beiden Seelen in der Brust von Jekyll und Hyde - von Gegensätzen. David Jakobs zeigt in der Doppelrolle als Jekyll und Hyde auch stimmlich, wie unterschiedlich der Gutmensch Jekyll und das Monster Hyde sind. Mit Nuancen in der Stimme und in der Darstellung gelingt ihm die Verwandlung fast noch besser als der Kostüm- und Maskenabteilung. Morgan Moody ist als Jekylls Freund Utterson stimmlich die noch präsentere Beinahe-Vaterfigur.

Milici Jovanovic singt die Lisa mit mädchenhaft zarter Stimme. Zur Rolle passt das, aber mehr Stimmung, Kraft und Ausdruck bringt ihre Gegenspielerin Bettina Mönch als Lucy auf die Bühne. Und die zeigt nicht nur die Ausstrahlung einer Animierdame, sondern in ihrer Todesszene auch anrührende, echte Liebe.

Neun Tote

„Jekyll & Hyde“ ist mehr ein Schauspiel-Musical, weniger spritzig und mitreißend als ein Tanz-Musical. Dafür hat dieses Stück viel Gruselpotenzial und wird vor allem das junge Musiktheaterpublikum, das schon bei der Premiere so gejubelt hat, begeistern. Und Energie hat Frank Wilhorns Stück auch, wenn der wieder einmal großartige, spielfreudige Dortmunder Opernchor auf der Bühne ist. Anschauen lohnt sich – um etwas Neues zu entdecken. Und wann sieht man schon mal ein Musical mit neun Toten?

Termine: 18. / 20. / 23. / 26. 10., 3. / 16. / 22. / 29. 11., 18. / 19. / 28. / 29. / 31. 12., 5. / 17. / 26. 1., 1. / 2. 2.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22 oder www.theaterdo.de
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