Das Paradies der Bäume steht auf fünf Hektar in Essen

Serie Gartenkunst - Folge 1

Eigentlich sollten ab 1975 nur kleine Mustergärten für Kunden des Gartenbauunternehmens Trautmann in Essen entstehen. Es entwickelte sich anders, sodass Hermann Trautmann seitdem einen Landschafts- und Skulpturenpark geschaffen hat. Heute leben in seinem Arboretum auf fünf Hektar Bäume, Pflanzen und über 30 Vogelarten.

ESSEN

, 27.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Das Paradies der Bäume steht auf fünf Hektar in Essen

Im Arboretum Trautmann stehen neben zahlreichen Buchen und Eschen auch Pappeln (M.) und Sumpfzypressen.

Unweit der Autobahn 40 ist der lange Weg zur Galerie Trautmann hinter der Einmündung flankiert von zahlreichen Eiben und Kirschen. Hinter der Orangerie liegt der ehemalige Kirchmannshof – ein Ort, der Natur und Kultur auf künstlerische Art verbindet.

Die meisten Bäume im Arboretum (lat. Gehölzgarten) des 87-Jährigen sind Buchen, Eschen und Kastanien, die meisten Pflanzen Rhododendren. Seit 2006 ziert eine wunderbare Landschaft den Garten – die ständig wächst und Zuwachs erhält.

Ein Mammutbaum in Essen

„Natur und Kultur ergänzen sich. Ohne Kultur bekommt man Menschen nicht mehr so leicht in die Natur“, sagt Trautmann. Deshalb gibt es unter anderem einen Konzertsaal, in dem musiziert wird. Doch auch ohne Kulturelles lohnt sich der Besuch.

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Arboretum Trautmann in Essen

Eigentlich sollten ab 1975 nur kleine Mustergärten für Kunden des Gartenbauunternehmens Trautmann in Essen entstehen. Es entwickelte sich anders, sodass Hermann Trautmann seitdem einen Landschafts- und Skulpturenpark geschaffen hat. Heute leben in seinem Arboretum auf fünf Hektar Bäume, Pflanzen und über 30 Vogelarten.
27.07.2017
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Mammutbäume gehören eigentlich gar nicht in unsere Gegend. Trautmann pflanzte trotzdem einen in seinem Garten.© Foto: Stolz
Das Gelände des Arboretums ist mit seinen fünf Hektar sehr großflächig. Die Paar-Skulptur ist trotzdem sehr markant.© Foto: Stolz
Die Pappel auf der Pappel: Die eine tot, die andere eigentlich ein Ast. In diesem Fall wurde aus dem Ast eine neue Pappel.© Foto: Stolz
Blick von den Pappeln nach links zur nächsten Pappel. Dahinter stehen zahlreiche Sumpfzypressen.© Foto: Stolz
In einer Buche hat sich schon vor vielen Jahren ein Pärchen verewigt.© Foto: Stolz
Vorbei an der gravierten Buche geht es über einen kleinen Weg zurück zum ehemaligen Kirchmannshof.© Foto: Stolz
An regnerischen Tagen ist der Pavillon vor der großen Wiese mit idyllischem Ausblick ein Rückzugsort. Natürlich auch, wenn die Sonne zu sehr brennt.© Foto: Stolz
Manchmal legt Hermann Trautmann sogar noch selbst Hand an - zum Beispiel mit seiner Sense, die über einer Pappel hängt.© Foto: Stolz
Rechts der Wirtschaftsweg zum Ausgang, links der Skulpturenpark. Getrennt durch Gießkannen.© Foto: Stolz
"Azul Bahia", zwei Quarzit-Steine aus Brasilien, ist Hermann Trautmanns derzeitige Lieblingsskulptur. Zwei Besucher nannten sie vor kurzem "Das blaue Band der Ruhr".© Foto: Stolz
Die Skulptur links im Bild ist von Hermann Trautmann höchstselbst entworfen.© Foto: Stolz

Neben dem Konzerthaus führt ein schmaler Gang zur großen Wiese, auf der sich in etwa drei Metern Höhe eine Frau und ein Mann Kopf an Kopf gegenüberstehen. „Ich weiß bis heute nicht, ob die sich streiten oder lieb haben“, scherzt Trautmann. Ein halbes Fußballfeld weiter steht ein vor zwei Jahren gepflanzter Mammutbaum.

„Der gehört eigentlich nicht hierher, weil er nur bis minus zehn Grad verträgt“, erklärt Trautmann. Und trotzdem pflanzte er einen – mit Erfolg.

Die Pappel auf der Pappel im Arboretum

Über einen schmalen Naturpfad führt der Rundgang weiter, zwei Pappeln stechen ins Auge. Die eine tot und rücklings liegend, die andere in Blüte aus ihr hervorgehend. Die neue Pappel war ein Ast der alten Pappel, ist bewusst liegen gelassen worden – und nun Grenzbaum zum Naturschutzgebiet nebenan.

Groß geworden ist Trautmann mit seinem Gartenbauunternehmen mit der Begrünung von Halden. Dass er sich nun in seinem Garten austoben kann, sei ein Privileg. Er selbst sieht sich als Künstler. „Für Kunst müssen die Menschen einen Sensor haben, um sie verstehen und interpretieren zu können“, erklärt Trautmann.

Gartenkunst ist für ihn der Spaß daran, einen Garten zu gestalten. Aber, so Trautmann: „Kunst kommt von Können.“ Und das beweist er eindrucksvoll beim Rundgang in seinem Garten.

Regentage sind Feiertage

An einer weiteren Pappel nur zehn Schritte entfernt hängt Hermann Trautmanns Sense, gerade gegenüber einer kleinen Brücke über eine Quelle, die zugewachsen ist. In der Flucht der drei Pappeln stehen Sumpfzypressen. Es regnet unaufhörlich, für Trautmann ein großes Geschenk. „Regentage sind Feiertage. Es sind Tage der Ruhe für die Natur und auch für mich“, sagt er.

Von den Zypressen führt ein weiterer Weg in die Weiten großen Gartens, zum Pendel von Trautmanns Lieblingskünstler George Rickey beispielsweise. Ein kleiner Weg führt in Verlängerung der toten Pappel zurück zum Hof, an den der Skulpturenpark anschließt. Eine Menge Plastiken stehen dort, inmitten des Gartens. Vor 20 Jahren hatte Trautmann sogar schon mal die Ehre, Figuren von Max Ernst auszustellen.

Das blaue Band der Ruhr

Am meisten hat es Hermann Trautmann das Kunstwerk „Azul Bahia“ aus Brasilien angetan. Es sind zwei graue Platten aus Quarzit, auf denen wie kleine blaue Flüsse eine farbige Ader verläuft. Besucher nannten es vor wenigen Wochen „das blaue Band der Ruhr“.

Für Trautmann sehr passend, davor ein gepflastertes Schiff, als ob es auf die Ruhr zufahren würde. „Es muss natürlich aussehen und es muss schön aussehen“, sagt er sich, wenn er ein neues Projekt in Angriff nimmt. Davon kann sich jeder Besucher selbst einen Eindruck verschaffen.

Öffnungszeiten und weitere Informationen:

  • Das Arboretum an der Aktienstraße 177 in Essen ist von März bis Oktober montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Ein Besuch ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.
  • Samstags und sonntags können Besucher von 9 bis 13 Uhr im Park frühstücken. Den Proviant stellt die Familie Trautmann.
  • Anmeldungen unter Tel. (0163) 2309855 oder (0201) 24053521.
  • Für die nächste Gartensaison im Frühjahr 2018 plant das Medienhaus Lensing ein Gartenmagazin. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe: Schicken Sie uns Ihre tollsten Gartenfotos oder besten Tipps an gartenmagazin@mdhl.de