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Das Polizei-Protokoll der Nazi-Gewalt an Silvester

Ausschreitungen in Dorstfeld

Nach Ausschreitungen in der Silvesternacht in Dorstfeld stellen sich Dortmunder Neonazis im Internet als Opfer von Willkür und Polizeigewalt dar. Tatsächlich war die Polizei in jener Nacht nicht zimperlich. Ein Minutenprotokoll gibt Einblick in einen von massiver Gewalt gegen Polizisten geprägten Einsatz.

DORSTFELD

, 09.01.2016 / Lesedauer: 3 min
Das Polizei-Protokoll der Nazi-Gewalt an Silvester

Schutzausrüstung der Polizei.

„Dieser Einsatz dauerte 42 Minuten. Die Kolleginnen und Kollegen sind auf höchste Gewaltbereitschaft gestoßen und unter höchstem Druck konsequent und professionell gegen die Rechtsextremisten vorgegangen“, berichtete ein Polizeisprecher am Freitag (8.1.2016). Unter den 18 festgenommenen Tatverdächtigen sind auch Mitglieder der Nazi-Partei „Die Rechte“. Diese Zusammenfassung schildert die Perspektive der Polizisten:

23.50 Uhr: Polizisten erkennen etwa 25 Rechtsextremisten, die mit vermummten Gesichtern und ausgestattet mit reichlich Pyrotechnik aus der Thusneldastraße kommen und sich auf dem Wilhelmplatz positionieren.

23.55 Uhr: Streifenwagen schaffen sichtbare Präsenz.Ab 0.00 Uhr: Neonazis bewerfen die Streifenwagen mit Böllern.Ab 0.04 Uhr: Neonazis entzünden auf dem Wilhelmplatz bengalische Fackeln und verbrennen damit ein Banner. Aus 20 Metern Distanz bewerfen sie die Polizisten und deren Fahrzeuge mit Pyrotechnik. Einen vor dem jüdischen Mahnmal postierten Streifenwagen bewerfen sie mit einer bengalischen Fackel. Die Nazis zünden die Lunte einer Feuerwerksbatterie an und schleudern diese auf Polizisten. Die vermummten Täter platzieren eine bengalische Fackel (rund 1500 Grad Celsius) unter einem Streifenwagen. Ein Polizist versetzt das Fahrzeug, um einen Brand zu verhindern.

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Ab 0.05 Uhr: Die Einsatzkräfte der Polizei setzen Helme auf und greifen zu Schutzschilden. Sie gehen in einer Reihe gegen die Angreifer vor und versuchen, sie zurückzudrängen. Die Rechtsextremisten ziehen sich langsam zurück und bewerfen die Polizisten dabei mit Getränkekisten, Glasflaschen und Pflastersteinen. Die Polizisten fordern Verstärkung an.Ab 0.14 Uhr: Polizisten können zwei der Angreifer festnehmen, einen Mann und eine Frau. Zeitgleich müssen sie weitere Attacken abwehren. Wurfgeschosse verursachen erste Blutergüsse und Abschürfungen. Schutzhelme und Schutzschilde verhindern schlimmere Verletzungen. Die Polizisten können weitere Festnahmen vornehmen.Ab 0.19 Uhr: Zahlreiche Unterstützungskräfte treffen ein. Die Neonazis ziehen sich in das Haus Thusneldastraße 3 zurück. Drei Angreifer halten sich noch kurz vor dem Wohnhaus auf und bedrohen die Polizisten mit Eisenstangen. Dann ziehen sie sich in das Haus zurück. Die bereits in das Haus geflüchteten Täter bewerfen die Polizisten durch die Fenster mit Pyrotechnik und Pflastersteinen. Polizisten öffnen gewaltsam die Haustür und dringen in das Wohnhaus ein. Mit Schutzschilden müssen sie sich vor Wurfgeschossen schützen. Treffer beschädigen Helme.

Ab 0.24 Uhr: Angreifer erhöhen den Druck. Sie bewerfen Polizisten im Haus mit Glasflaschen und Kisten. Vier Täter kann die Polizei überwältigen. Einer der Festgenommenen beißt eine Polizistin in die Hand. In den nächsten Minuten erhöht sich die Zahl der Festgenommenen auf 18.0.32 Uhr: Abtransport der Festgenommenen ins Polizeigewahrsam. Erste Bilanz: Mehrere verletzte Polizisten, drei verletzte Neonazis. Sachschäden an fünf Einsatzfahrzeugen.

Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise auf die Täter, denen sie jetzt Straftaten zu ordnen muss, um Anklagen und Verurteilungen erwirken zu können. Dabei können von Zeugen aufgenommene Fotos und Videos hilfreich sein. Kontakt: Kriminaldauerdienst, Tel. 0231 / 132 74 41.