Das Problem eines unsichtbaren Gottes in der Kunst

Kunstsammlung NRW

Eine mächtige bronzene Glocke empfängt die Besucher im Ständehaus der Kunstsammlung NRW am Düsseldorfer Schwanenspiegel. Stündlich schwingt sie weit aus. Doch es ertönt kein einziger Laut. "For Whom" ("Für wen?") nennt der belgische Künstler Kris Martin provokant seine irritierende Installation. Ihre Leerstelle wirkt charakteristisch für die groß dimensionierte Ausstellung "The Problem of God" zum 50. Jahrestag des zweiten Vatikanischen Konzils.

DÜSSELDORF

von Von Bernd Aulich

, 28.10.2015, 08:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Problem eines unsichtbaren Gottes in der Kunst

Skulpturen wie der „Schmerzensmann V“ der belgischen Künstlerin Berlinde De Bruyckere prägen die Schau. Foto dpa

Der Nachhall christlicher Motive in der zeitgenössischen Kunst ist ihr Thema. Das Ergebnis dieser Spurensuche: Die Macht christlicher Bilder ist ungebrochen. Aber die Bilder zeigen sich häufig komplex verschlüsselt.

Nie zuvor hat dieses Haus einer Ausstellung so viel Platz eingeräumt. In den Kabinetten der beiden oberen Etagen und im Souterrain widmen sich 33 Künstler in 130 Arbeiten dem Passionsgeschehen und dem Martyrium, der Eucharistie, dem Wunderglauben und dem unsichtbaren Gott. Sie verrenken sich nicht, indem sie sakrale Kunst imitieren.

Geheimnisvoll

Der Titel "The Problem of God" entstammt einem Objekt des Tschechen Pavel Büchler. Eine riesige Linse schiebt sich in ein unbedrucktes Buch. Seitenverkehrt hebt sie das einzige Wort darin hervor: "Invisible" ("Unsichtbar"). Der unsichtbare Gott ist auch das Thema eines schwarzen Gemäldes von Ad Reinhardt, das etwas Geheimisvolles zu verdecken scheint, und des schieren Nichts, das sich in Robert Rauschenbergs weißem Triptychon spiegelt. Besonders das Passionsgeschehen beschäftigt die Künstler.

Ob in Francis Bacons erschütterndem "Fragment einer Kreuzigung", in Bill Violas grandiosem Video "Das Quintett der Erstaunten" oder in den unheimlichen, an rostenden Laternenmasten klebenden "Schmerzensmann"-Torsi von Berlinde de Bruyckere.

118 Kilometer Jakobsweg

Die Eucharistie als Bildmotiv taucht in dem Video "Das Brot" des Belgiers Michaël Borremans nur noch verschwommen in der madonnenhaften Video-Darstellung eines Mädchens in blassen Farben auf einem winzigen Bildschirm auf. Harun Farcocki hat Pilgerstätten aufgesucht. Und Francis Alÿs wandert auf neun Bildschirmen in seinem Atelier so lange, bis die 118 Kilometer des Jakobsweges abgeschritten sind.

(K 21): "The Problem of God", bis 24.1. 2016, Ständehausstraße 1, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.