Das sagt ein Experte zum "Simba"-Verbot

Urheberrechtsstreit an der Naturbühne

Nachdem die Naturbühne Hohensyburg wegen einer Unterlassungserklärung das Stück "Simba - König der Tiere" nicht mehr aufführen darf, haben wir den Dortmunder Rechtsanwalt und Urheberrechts-Experten Christian Weyer um eine Einschätzung gebeten. Der Rechtsanwalt ist nicht optimistisch.

DORTMUND

, 13.07.2016, 20:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das sagt ein Experte zum "Simba"-Verbot

Kein Zähnefletschen mehr: Das Theaterstück "Simba - König der Tiere"darf nicht mehr auf der Naturbühne aufgeführt werden.

Das sind die relevanten Infos aus dem Gespräch mit Rechtsanwalt Christian Weyer:

Eine Unterlassungserklärung ist Teil einer Abmahnung. Mit einer Abmahnung geht ein Rechteinhaber gegen jemanden vor, der gegen seine Rechte verstoßen hat. Die Unterlassungserklärung sorgt dafür, dass dieser Rechteverstoß nicht wiederholt wird. Außerdem hat eine Abmahnung das Ziel zu erfahren, in welchem Umfang die Rechteverletzung stattgefunden hat. Also zum Beispiel, welche Einnahmen damit erzielt wurden. Drittens kann eine Abmahnung eine Schadensersatzforderung beinhalten.

Im Fall der Naturbühne basiert das Theaterstück "Simba - König der Tiere" auf dem Disney-Film "König der Löwen", wie der freie Autor des Stücks, Robert Hesse, sagt. Hesse habe seine Bühnenfassung aber nicht mit Disney abgestimmt. Disney wiederum besitzt nach eigener Aussage alle Rechte am "König der Löwen". Daher erscheint es sehr wahrscheinlich, dass Disney der Absender der Abmahnung gegen die Naturbühne ist, auch wenn Disney das bisher nicht bestätigt.

Jetzt lesen

Disney hat nun laut Anwalt Weyer zwei Möglichkeiten, gegen die Naturbühne vorzugehen. Erstens wegen der möglicherweise unrechtmäßigen Verwendung der Geschichte. Zweitens wegen der Benutzung der Musik im Theaterstück. In diesem Fall reiche es nämlich nicht, die Musiknutzung mit der Gema abzuklären. Kombiniert man Stück und Musik, müsse man das zusätzlich auch mit dem Rechteinhaber, also mit Disney, verhandeln. Das ist offenbar nicht passiert.

Nach Weyers Einschätzung ist ein Gerichtsverfahren unwahrscheinlich, denn eine Abmahnung diene oft dazu, eine außergerichtliche Regelung zu finden. Wahrscheinlicher sei also, dass die Naturbühne die Bedingungen von Disney - wenn es sich denn um Disney handelt - erfüllen müsse.

Ebenso wahrscheinlich sei es, dass die Naturbühne als weiteres Ergebnis der Auseinandersetzung auch im Nachhinein nicht über die Einzelheiten der juristischen Auseinandersetzung sprechen dürfe. Das sei eine übliche Praxis größerer Unternehmen, um einem nachträglichen Imageschaden vorzubeugen.

Jetzt lesen

Schlagworte: