Das schillernde Soldatenleben eines Anholter Fürstensohns

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Laut „Wikipedia“ galt Felix Prinz zu Salm-Salm als „schwarzes Schaf“ der Familie. Am 25. Dezember 1828 geboren, fiel er am 18. August 1870 – heute vor 150 Jahren – im deutsch-französischen Krieg.

von Hans Georg Knapp

Isselburg-Anholt

, 18.08.2020, 11:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er sei den „schönen Tod für das Vaterland“ gestorben, heißt es in einem längeren Nachruf, der sich auf die „Neue Freie Presse“ aus Wien stützt und auch im Fürstlich Salm-Salm’schen Archiv zu finden ist. Darin schreibt der unbekannte Autor, Felix zu Salm-Salm habe ein „vielbewegtes und thatenreiches Leben“ geführt.

Er stand als Offizier in wechselnden Diensten, zunächst für Preußen (unter anderem im 11. Husarenregiment in Münster), dann für die österreichische Armee, anschließend für die Nordstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865). Von dort zog es ihn nach Mexiko und dann wieder nach Preußen.

„Unüberlegte Tapferkeit“

Die Deutsche Biographie, ein biografisches Nachschlagewerk der Historischen Kommission, berichtet von einer Begebenheit, die womöglich typisch war für den jungen Adeligen: Im ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg habe sich Felix zu Salm-Salm am 18. Mai 1849 in „unüberlegter Tapferkeit“ auf einen Kampf mit dänischen Dragonern in Überzahl eingelassen, sei verwundet und gefangen genommen worden.

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Fachleuten zufolge, die die Internetpräsenz www.austro-hungarian-army.co.uk betreiben, bewahrte ihn das Ansehen seiner Familie vor ernsthaften dienstlichen Konsequenzen; doch hätte sich ein Karriereknick wohl nicht vermeiden lassen, heißt es dort. Deshalb sei er im Juni 1854 zur österreichischen Armee übergewechselt.

Aber auch dort lief es für ihn wohl nicht nach Wunsch: Im Französisch-Österreichischen Krieg (1859) konnte sich Felix zu Salm-Salm nicht auszeichnen, und Schulden – laut der Deutschen Biographie „durch eine allzu leichte Lebensauffassung veranlasst“ – hätten ihn 1861 genötigt, die österreichische Armee zu verlassen.

Enorme Spielschulden

Seine Spielschulden seien enorm gewesen, heißt es auf der Internet-Präsenz „Austro-Hungarian-Army“ – typisch für junge Offiziere, die damals schlecht bezahlt worden seien. Auf „Wikipedia“ ist auch von Duellen und Liebesaffären die Rede, weshalb der Prinz „auf Geheiß der Familie“ 1861 nach Nordamerika ausgewandert sei.

Dort machte er rasch Karriere, diente aufseiten der Nordstaaten als Oberst und Brigadekommandeur. Auf einem Empfang, den US-Präsident Abraham Lincoln in Washington für seine Offiziere gab, lernte Felix zu Salm-Salm seine künftige Frau Agnes Leclerq (1840-1912) kennen, die Tochter eines kanadischen Obersts und eine Cousine Lincolns.

Vertrauter des Kaisers

Sie förderte die militärische Laufbahn des Prinzen und begleitete ihn auf dessen Feldzügen und Reisen – nach dem Sezessionskrieg auch nach Mexiko, wo Felix zu Salm-Salm Kaiser Maximilian I. (1832-1867) seine Dienste anbot. Er habe aus den USA Empfehlungen deutscher und österreichischer Diplomaten mitgebracht, berichtet „Wikipedia“. Er sei Vertrauter und Adjutant des Kaisers geworden und mit ihm in Gefangenschaft geraten.

Der mexikanische Präsident und frühere Revolutionsführer Benito Juárez verurteilte Maximilian, dessen Generäle und zu Salm-Salm zum Tode. Nur durch den Einsatz seiner Frau Agnes, die die damaligen Ereignisse in ihren Memoiren schildert, wurde der Westfale begnadigt und 1867 entlassen.

Wieder im preußischen Militärdienst, kämpfte er im Deutsch-Französischen Krieg als Major und Bataillonskommandeur. In der Schlacht von Gravelotte (Lothringen, bei Metz) wurde Felix zu Salm-Salm tödlich verwundet. Seine Frau begleitete den Leichnam in einer Eskorte nach Anholt, wo er in der Familiengruft beigesetzt wurde.

Lincolns Schulterklopfer oder eine Kugel von des Kaisers Hinrichtung

  • Am 18. August 1870 soll Felix zu Salm-Salm durch einen Brustschuss und zwei Schüsse in den rechten Arm ums Leben gekommen sein. Dies gehe aus Verlustlisten hervor, heißt es auf „Wikipedia“. Felix‘ Ehefrau Agnes habe als Krankenschwester ein preußisches Lazarett geführt und den Adeligen an die Front begleitet. Am selben Tag und als Leutnant derselben Einheit sei auch Felix‘ Neffe Florentin zu Salm-Salm (1852-1870) gefallen.
  • Der amerikanische Präsident Abraham Lincoln soll Felix zu Salm-Salm als „Prinz“ vorgestellt worden sein. „Wikipedia“ zufolge klopfte ihm Lincoln daraufhin auf die Schulter und sagte: „Nun, das soll Ihnen bei uns nicht schaden.“ Zu Salm-Salms spätere Ehefrau Agnes Leclerq Joy, eine Cousine Lincolns, stellte während Felix‘ Gefangenschaft in Mexiko den Kontakt zu Lincolns Amtsnachfolger Andrew Johnson her. In ihren Memoiren „Zehn Jahre aus meinem Leben“ berichtet sie, Johnson gut gekannt zu haben; auf ihr Ersuchen hin habe er sich beim mexikanischen Präsidenten für Felix zu Salm-Salm eingesetzt.
  • Den Hintergrund bilden die mexikanischen Interventionskriege und der Versuch des französischen Kaisers Napoleon III., in Mexiko einen Staat zu begründen, der sich militärisch und wirtschaftlich an Frankreich anlehnen sollte. Deshalb ließ Napoleon III. 1864 Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zu dessen Kaiser ausrufen. Doch drei Jahre später wurde Maximilian I. von der legitimen mexikanischen Regierung gefangen genommen, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Als Vertrauter und Adjutant Maximilians kam Felix zu Salm-Salm nur knapp mit dem Leben davon.
  • Laut den Memoiren der Prinzessin Agnes, die auch im Fürstlich Salm-Salm’schen Archiv vorliegen, schickte der Arzt, der den Kaiser nach der Hinrichtung einbalsamiert hatte, Felix zu Salm-Salm ein Stück vom Herzen Maximilians in Alkohol und eine Kugel, die im Körper des Toten gefunden worden war. Diese Kugel sei bis heute Teil der Sammlungen auf der Wasserburg Anholt, sagt deren Archivar Dr. Manuel Hagemann.
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