Das schöne i-Tüpfelchen nach dem Neubau des Kortelbachs

rnWasser im Bornekamp

Wenn der Kortelbachbohrer sein Werk getan hat, ist der Umwelt gedient, aber der Mensch sieht davon praktisch nichts. Nur die Öffnung des Bachlaufes im vorderen Bornekamp ist ein i-Tüpfelchen. Bald wird es gesetzt.

Unna

, 06.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Für die Stadtbetriebe ist es eines der ambitioniertesten Projekte aller Zeiten, den Kortelbach von seinem Missbrauch als Kloake zu entbinden. Nur noch 250 Meter braucht der Bohrkopf, um sich vom Oelckenthurm zum Bornekampbad zu fressen. Danach führen zwei Parallelstrecken das „Wasser“ auf fast 1800 Metern unter der Oberstadt her: Der alte Bachlauf bleibt Kloake und mündet im Norden der Stadt in einen neuen Abwasserkanal (siehe Text unten). Der neue Kanal unter der Stadt führt das frische Bachwasser unter dem Herzen der Kreisstadt her.

Viel zu sehen sein wird davon nicht, wenn die Arbeiter der Münsteraner Firma Batteux ihre Arbeit in Unna abschließen. Der neue Bach wird sich wie seit Generationen der alte Bach völlig den Blicken der Unnaer entziehen. Nur im Bornekamp setzen die Stadtbetriebe ein Ausrufezeichen, das vor allem gestalterische Bedeutung hat. Mit der Öffnung des Baches im vorderen Teil des Naherholungsgebietes wird der Kortelbach stadtnah erlebbar. Und das Naherholungsgebiet wird schon zwischen Bornekampbad und B1-Unterführung mit dem Element Wasser bereichert.

Unklare Ursprünge

Warum der Kortelbach überhaupt auch dort in einem Rohr unter der Erde herfließt, ist bei den Stadtbetrieben gar nicht bekannt. Ihren Anfang dürfte die Verrohrung des Baches mit dem Bau der Eisenbahn in Unna vor rund 160 Jahren genommen haben. Zug um Zug wurde der Bach mit Häusern und Straßen überdeckt. Aber der vordere Bornekamp ist im Bereich des Baches nahezu unbebaut. Dementsprechend gibt es auch noch keinen Einlauf von Schmutzwasser. Zwischen B1 und Freibad fließt der Bach bereits sauber – aber dennoch unterirdisch.

Dass dies zum Abschluss der „Entflechtung“ von Bachlauf und Kloake geändert werden soll, ist lange beschlossen. Und nun wird es Wirklichkeit. Ein Unternehmen aus Borken hat den Auftrag dafür bekommen. Spätestens im Oktober soll es seine Arbeit aufnehmen. Sollten es die Ressourcen und Aufträge der Firma zulassen, hätte allerdings ein vorgezogener Baustart Vorteile, gibt Projektleiter Thomas Matter von den Stadtbetrieben einen Einblick in die Überlegungen: Bei Regen, wie er im Herbst wieder zu erwarten ist, wird der Boden des künftigen Kortelbachparks schnell weich. Die Bagger müssten sich durch schweres Gelände kämpfen. Zurzeit ist der Grund dort ausgetrocknet, hart und tragfähig.

„Schnecke“ aus Beton

Der neue Bach wird zunächst völlig trocken gebaut. Die Firma gräbt ihm mit dem Bagger ein neues Bett, setzt am nördlichen Ende eine „Schnecke“ aus Beton, durch die das Wasser in die Tiefen des neuen Kortelbachkanals unter der Oberstadt verschwindet. Erst wenn beides fertig ist, wird der Bach nahe der B1 in sein neues Bett umgeleitet. Vermutlich geschieht dies im Frühsommer 2019.

Gemessen an dem Aufwand, einen Tunnel für das Bachwasser unter der Oberstadt herzubohren, ist die Offenlegung im Bornekamp ein einfaches und günstiges Projekt. Einen gewässerökologischen Vorteil bietet es eigentlich nicht, sieht man von dem Biotop ab, das nun an der Erdoberfläche entsteht. Aber die gestalterische Wirkung ist erheblich.

Unter- und oberhalb der 1770 Meter langen Unter-Tage-Strecke zwischen Freibad und Viktoriastraße ist der Kortelbach nur noch auf kurzen Strecken verdeckt, wenn eine Straße unterquert werden muss. Schon kurz hinter dem Südring können die Unnaer im Bornekamp ihrem Bach entlang spazieren – wenn er nicht gerade nach langem Regenmangel trockengefallen ist.

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