Das Wir-Gefühl im Ruhrgebiet bleibt Illusion

"Rote Erde "

Mit einem Chor-Spektakel, das den Revier-Mythos mit dem Ruhrgebiets-Alltag von heute verschränkt, eröffnete das Grillo-Theater in Essen die Spielzeit. "Rote Erde" - nach dem Roman von Peter Stripp - war die knapp zweistündige Heimatkunde überschrieben, in Szene gesetzt vom Spezialisten für Inszenierungen mit Laienchören: Volker Lösch.

ESSEN

von Von Britta Helmbold

, 28.09.2012, 17:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schwarze Farbe für den Revier-Mythos.

Schwarze Farbe für den Revier-Mythos.

 

Das Ruhrgebiet ein Freizeitpark. Zu Vogelgezwitscher legen sich die zwölf arbeitslosen Männer des Laienchors auf Liegestühle vor der efeubewachsenen Rückwand, die an die begrünten Halden denken lässt. Im Schnelldurchgang schildern sie Schicksale, die zu Hartz-IV führen. Für die Verklärung der Arbeitswelt Bergbau sorgt ein Schauspieler-Chor in Knappenuniform.Den Roman verdichtet Dann geht´s in die Vergangenheit. Alle beschmieren sich zunächst mit schwarzer Farbe und erzählen die Geschichte des Bergbaus bis 1918 anhand vom Einwanderer Bruno und Kumpel Karl. Auf knappe Spielszenen hat Lösch die Romanhandlung verdichtet, immer wieder unterbrochen von Statements aus dem Jahr 2012, die auf Interviews mit Essener Arbeitslosen beruhen.Verlorene Arbeitsplätze

Der Hoffnung, dass die Kreativwirtschaft die verlorenen Bergbau-Arbeitsplätze ersetzten könne, erteilt Lösch ebenso eine Absage wie dem von der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 beschworenen Image der Metropole Ruhr als Solidargemeinschaft: "Der Metropolengedanke ist künstlich / in Wahrheit ham wir hier 53 Städte / mit 53 Bürgermeistern." Das Wir-Gefühl aus Strippes Werk gibt es nicht mehr und ein Aufstand ist nicht zu erwarten, denn - so der Chor - die Arbeitslosen sind keine Kämpfer, wollen nur in Ruhe leben. Und so träumen sie sich am Ende der Inszenierung, nun goldig angemalt, ins Schlaraffenland - und ernten tosenden Applaus.

 

 

 

 

 

Termine: 30.9., 6./13./28.10.; Karten: Tel. (0201)8122200.

www.theater-essen.de