Das Zentrum stark machen

WITTEN Der Masterplan Einzelhandel - 300 Seiten stark - plädiert eindeutig für eine Stärkung der Zentren, vor allem natürlich der Innenstadt. Stadtbaurat Markus Bradtke stellte die Kern-Botschaften am Mittwoch vor.

von Von Susanne Linka

, 01.08.2007, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern sollen u. a. in der Masterplan-Gruppe, in der IHK und im Rat noch ausdiskutiert werden. Das Ziel: Der Masterplan soll anders als Vorgänger-Gutachten rechtlich verbindlich sagen, wo welche Handelsbetriebe erwünscht sind - und wo nicht. "Letztendlich erleichtert er uns das Geschäft. Die Politik wird erkennen müssen, dass der Handlungsspielraum geringer wird", beschreibt der städtische Wirtschaftsförderer Christian Reetz den Nutzen. Langes politisches Tauziehen zu Fragen der Neuansiedlung von Handelsbetrieben - wie beim früheren Wickmann-Gelände in Annen - soll nach der Verabschiedung des Masterplans der Vergangenheit angehören.

Lebensmittel

"Es sind viele wertvolle Empfehlungen zur Steuerung des Einzelhandels enthalten", bekräftigt Stadtbaurat Bradtke. Zum Beispiel die, dass Herbede einen weiteren Lebensmittelanbieter braucht. Vorzugsweise an einem Standort in der Meesmannstraße, gegebenenfalls müssten laut Gutachten aber auch Alternativen diskutiert werden. "Nur Bommern steht noch schlechter da", erläutert Bradtke eine weitere Einzelheit. Erweiterungen und Neuansiedlungen von Lebensmittelanbietern sollten dort künftig zentral am Bodenborn gefördert werden: "Die Grundstücksfrage ist aber problematisch", räumt der Stadtbaurat ein.

Stadt braucht Impuls

Auch in Heven und Stockum befürworte das Gutachten bekanntlich entsprechende Neubauten. Ob sie auf den angedachten Sportplatzflächen realisiert wird, dazu mache der Masterplan keine Angaben: "Dafür ist er zu grob strukturiert", erläutert Bradtke. Auch das konkrete Konzept Stadtgalerie habe dort nicht auf dem Prüfstand gestanden, "aber der Masterplan sagt klar, dass die Stadt solche Impulse braucht." Bradtke umriss noch einmal das Dilemma, in dem die Stadt Witten grundsätzlich steckt: "Die Einwohner haben eine relativ große Kaufkraft, doch es gelingt uns nicht, sie hier zu binden." Sportartikel, Schuhe, Baumarktartikel gehören zu den betroffenen Warengruppen.

In der Innenstadt gibt es aktuell einen Leerstand von 17 %. „Natürlich nutzt es nichts, wenn alle vorhandenen Anbieter aus der Bahnhofstraße jetzt in die Stadtgalerie ziehen“, stellt Bradtke klar. Angestrebt seien Neuansiedlungen. Überhaupt werde der Innenstadt-Kern im neuen Masterplan enger gefasst, erklärt Christian Reetz: „Die Hauptstraße fällt z. B. künftig raus.“ Neuansiedlungen von größeren Geschäften mit zentrenrelevanten Warensortimenten würde die Stadtverwaltung dort also künftig verhindern, sollte der Masterplan in der jetzt vorliegenden Fassung verabschiedet werden. „Die Hauptstraße hat sich in den letzten Jahren entsprechend entwickelt, dort gibt es überwiegend Dienstleister. Der Bestand an Geschäften ist aber selbstverständlich geschützt“, stellt Bradtke klar. Es sollen künftig auch begründete Ausnahmen von den Regeln, die der Masterplan aufstellt, möglich sein: „Wir wollen, dass in dieser Stadt investiert wird. Nur eben an der richtigen Stelle.“ Wer schuld ist an dem Wittener Dilemma, das sei nicht so einfach zu beantworten: Die Lage zwischen den Oberzentren Bochum, dem Ruhrpark und Dortmund sei sicherlich problematisch, doch zum Teil sei die Misere sicherlich auch hausgemacht und habe vielfältige Ursachen, meint der Stadtbaurat: „Es liegt sicherlich genauso wenig nur an der wenig einladenden Schaufenstergestaltung einiger Betriebe wie daran, dass die Stadt in der Vergangenheit zu viel auf der grünen Wiese genehmigt hat.“