Dauerkarte im Stadion Rote Erde

100 Jahre BVB

BAROP Immer wenn Wolfgang Müller die Augen schließt, sieht er sie wieder: Siggi Held, „Hoppy“ Kurrat – aber auch die Gegner sind klar wie im Film. Suarez (Inter Mailand) tritt Hoppy in den Unterleib, und Müller ärgert es noch heute, dass der Schiri ihn nicht vom Platz gestellt hat.

von Von Dennis Werner

, 01.10.2009, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein alter Zeitungsbericht über das Borussia-Spiel gegen Benfica Lissabon gehört zu Wolfgang Müllers größten Schätzen.

Ein alter Zeitungsbericht über das Borussia-Spiel gegen Benfica Lissabon gehört zu Wolfgang Müllers größten Schätzen.

Bloß Holz und Beton, und im Winter war es kalt, eine Styroporplatte schützte das Gesäß. „Das war ein sagenhafter Platz“, schwärmt Müller trotzdem: keine Säulen, Blickkontakt zur Ehrentribüne und beim 5:0 Europapokalsieg der Borussen gegen Lissabon saßen die Bergleute aus Lengede, die das Unglück 1963 überlebt hatten, direkt hinter ihm. „Dieses Spiel“, erzählt Müller, „war der Beginn des Aufstiegs der Borussia.“ Kurrat und die anderen Helden von 1963 hätten auch gewonnen, wenn Benfica-Hoffnung Eusebio nicht ausgefallen wäre.

Auf seinem Platz im Stadion Rote Erde hat der 75-jährige Müller viele BVB-Spiele gesehen. Die guten und die schlechten. Mit geschlossenen Augen lässt er sie alle Revue passieren. Darunter nicht bloß große Fußballereignisse. „Ich habe da schon gesessen, da gab es die Bundesliga noch nicht“, so Müller. BVB 09 spielte in der Oberliga. Die Mannschaften, gegen die der Verein antrat, kamen aus Solingen, Würselen oder Essen. Dann kam Lissabon und später Mailand. Vor seinem geistigen Auge setzt Müller die Spielszenen zusammen: „Im Mittelkreis stand Kurrat, neben ihm der Schiedsrichter. Suarez tritt Hoppy in den Unterleib und der Schiri ahndet das nicht.“

Der 75-jährige schüttelt den Kopf. „Hinterher kam heraus, der Schiedsrichter war bestochen.“ Den 75-Jährigen ärgert auch, wie damals mit den Spielern umgegangen worden ist. „Die kamen in der Geschäftsstelle vorbei und ließen sich ihre 1.000 Mark auszahlen.“ Besonders ungerecht findet er, dass Kurrat, „der treueste BVB-Spieler“, auf 25.000 Mark Treueprämie verzichten sollte. Später hat Müller Kurrat häufig in seiner Kneipe besucht.

1966 – Das vorgezogene Endspiel gegen 1860 München. Bundeskanzler Erhard war da. „Das weiß ich noch genau, ich hab‘ ihn ja gesehen.“ Bis in die 70er Jahre war Müller regelmäßig im Stadion. Dann, als die Borussia umzog, nicht mehr so häufig. „Die Leute gingen nur noch wegen der Atmosphäre ins Stadion, nicht wegen der  Mannschaft“, so Müller. Und: Den Platz mit der Nummer „D327“ gab es dort nicht. Bleiben die Erinnerungen. Sie lässt Wolfgang Müller zum 100-jährigen BVB-Jubiläum gern aufleben.

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