David Bösch inszeniert Shakespeares "Othello"

Schauspielhaus Bochum

David Bösch schickt im Schauspielhaus Bochum ein Video auf dem geschlossenen Vorhang voraus. Es zeigt: Dem Regisseur geht es in seiner Inszenierung nicht um Othello, den Mohr von Venedig. Sein Stück heißt "Othello und Desdemona".

BOCHUM

von Von Ronny von Wangenheim

, 19.01.2014 / Lesedauer: 3 min
David Bösch inszeniert Shakespeares "Othello"

Jago (Felix Rech, l.) und Othello (Matthias Redlhammer) in David Böschs Shakespeare-Inszenierung in Bochum.

Ausgrenzung, Rassismus - dies alles interessiert ihn nicht. Sein Othello braucht deshalb auch keine schwarze Schminke. Bösch konzentriert sich auf diese Liebe, die so unverletzlich scheint, und auf deren Zerstörung durch Jagos Intrigen. Dafür hat er Figuren wie Desdemonas Vater ganz herausgestrichen, Teile aus Verdis Opern-Libretto eingefügt, Text gekürzt und umgestellt.

An den Anfang stellt Bösch Othello und Desdemona, die berichten, wie sie zueinanderfanden. Doch die Fallhöhe ist groß. Zweieinhalb Stunden später liegen fünf Menschen tot am Boden. In ihrer Mitte steht allein Jago.

Doch Böschs Konzept geht nicht ganz auf. Weil man Matthias Redlhammer diese Liebe, diese tiefen Gefühle nicht glaubt. Er behauptet sie nur mit Worten. "Der unklug liebte, aber heftig", so beschreibt er sich in Frank-Patrick Steckels Übersetzung. Doch man fühlt sie nicht, genauso wenig wie man fühlt, wie Zweifel und Eifersucht sich seiner unaufhaltsam bemächtigen. Dagegen kann auch Friederike Becht als zarte, vertrauensvolle und naive Desdemona nicht anspielen.Keine Chance gegen Jago

Dieser Othello, dem sein Offiziersmantel manchmal zu groß wird, hat gegen Jago keine Chance. Der groß gewachsene Felix Rech, schon optisch allen anderen überlegen, spielt ihn klug als kühlen, skrupellosen Intriganten. Rache mag sein erster Impuls gewesen sein. Doch er ist ein teuflischer Geist, der an das Böse im Menschen glaubt. Und der alle gegeneinander ausspielt, allein weil er es kann.

Weil diese Inszenierung irgendwann auch "Jago" heißen könnte, bekommt sie vor allem nach der Pause mehr Fahrt. Dass am Ende großer Applaus aufbrandet, hat noch mehr Gründe. Es entstehen immer wieder wunderschöne Bilder auf der Bühne (Falko Herold), deren Schwarz und Weiß nur vom Hochzeitskonfetti unterbrochen wird.

Hervorragendes Ensemble

David Bösch kann auf ein hervorragendes Ensemble setzen. Dazu zählen auch Xenia Snagowski als hochschwangere Emilia, Daniel Stock als verzweifelt-grotesker Roderigo und Felix Lange als Cassio. Wie er den biederen Leutnant mit der Sucht nach Reputation als einen tölpelhaften Clown spielt, das ist große Komödie. 

Termine: 25./30.1.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.