Debatte um Stadtwerke-Einstieg bei Steag

Energieversorgung

Die Stadtwerke Bochum wollen sich im Verbund mit weiteren Stadtwerken aus NRW die Evonik-Tochter Steag übernehmen. 13 Kohlkraftwerke bringt ihnen der Einkauf. Doch das sind alles alte Dreckschleudern.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 15.10.2010, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eigentümer gesucht: Im Paket der zum Verkauf stehenden Evonik-Tochter Steag ist auch dieses Kohlekraftwerk aus dem Jahr 1981 in Bergkamen. Es ist eins von 13 zumeist alten Kraftwerken der Steag.

Eigentümer gesucht: Im Paket der zum Verkauf stehenden Evonik-Tochter Steag ist auch dieses Kohlekraftwerk aus dem Jahr 1981 in Bergkamen. Es ist eins von 13 zumeist alten Kraftwerken der Steag.

„Bei der Hälfte der Kraftwerke handelt es sich um Schrott“, sagt Uwe Vorberg (Die Linke). Alte Dreckschleudern, die längst abgeschrieben sind. Sie eignen sich jedoch, um noch ein paar Jahre Geld zu verdienen. „Grundsätzlich sind wir für eine Kommunalisierung der Energieerzeuger“, so Vorberg, der im Aufsichtsrat der Stadtwerke mitentscheiden kann. Vor dem Kauf müsse jedoch erkennbar werden, wie mit diesen Kraftwerken auf nachhaltige Energieerzeugung umgesteuert werden kann. Vorberg fordert frühzeitig eine politische Debatte über den Kauf der Steag.

Auch die SPD spricht sich für einen Kauf aus, solange der ökonomische Rahmen stimmt. Heinz-Dieter Fleskes (SPD) betont ebenfalls die ökologische Verantwortung. „Es wäre mir ein Grauen, diese Dreckschleudern in den Händen anderer Bieter zu sehen“, so Fleskes. Neben den Stadtwerken sind noch ein deutscher Entsorger und eine türkische Holding im Rennen. Ökologisch nachhaltige Energieerzeugung traut Fleskes beiden nicht zu. Gegenüber den Ruhr Nachrichten äußerte er sich „vorsichtig optimistisch“, dass das Stadtwerke-Konsortium den Kauf stemmen werde. Letztlich zähle der Preis.

Der liegt um die 1,2 Milliarden Euro, die sich die neun beteiligten kommunalen Unternehmen teilen müssten. Gegenwind kommt aus den Reihen der CDU. „Wir dürfen das auf keinen Fall machen“, sagt Klaus Franz, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt. Er sieht in dem Verkauf gleich zwei Fallen für die Kommunen eingebaut. Erstens: Mit Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke steige der Preisdruck auf die Kohlekraftwerke. Zweitens sei RWE nahezu der alleinige Abnehmer von Steag-Strom. Doch die Verträge laufen 2015 aus. Bis Ende Oktober müssen sich die beteiligten Stadtwerke entschieden haben, dem Mutterkonzert Evonik ein verbindliches Angebot vorlegen. Endgültig abgesegnet ist der Verkauf erst, wenn zudem alle kommunalen Parlamente der Übernahme zustimmen.