Debussy-Oper „Pelléas et Mélisande“ eröffnet Festival

Ruhrtriennale

Claude Debussys einzige Oper „Pelléas et Mélisande“ kommt ohne Arien und mit nur wenigen instrumentalen Zwischenspielen aus. Als Eröffnungspremiere der Ruhrtriennale konnte sie vor allem wegen der konzentrierten Leistung der Bochumer Symphoniker und Sänger unter Dirigent Sylvain Cambreling überzeugen – nicht wegen Krzysztof Warlikowskis Regie.

BOCHUM

, 20.08.2017, 14:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Debussy-Oper „Pelléas et Mélisande“ eröffnet Festival

Mélisande (Barbara Hannigan) und Pelléas (Phillip Addis) im opulent ausgestatteten Bühnenbild.

Johan Simons, dessen letzte Saison als Intendant der Ruhrtriennale „Pelléas et Mélisande“ einleitet, hatte das Werk im Vorfeld als „erste Oper der Moderne“ bezeichnet. In ihrem Zentrum steht ein Mensch, den ein Geheimnis umgibt: Mélisande weiß nicht, woher sie stammt, wie sie in den Machtbereich des Schlosses König Arkel und seiner Familie geraten ist. Golaud, ein Enkel des Königs, gabelt sie im Wald auf, heiratet sie und kehrt mit ihr in den Schoß der Familie zurück, aus dem er eigentlich fliehen wollte.

Rasende Eifersucht

Schon das Libretto, das Debussy nach dem Drama Maurice Maeterlincks geschrieben hat, lotet das Potenzial der psychologisch verwickelten Familiengeschichte nicht voll aus: In den letzten Akten geht es eigentlich nur noch um Golauds rasende, todbringende Eifersucht, um seine Frage, ob Mélisande jetzt wirklich mit Pelléas ...?

Im opulenten Bühnenbild in der Bochumer Jahrhunderthalle (Malgorzata Szczesniak) ziehen sich diese Akte nach der Pause wie Kaugummi. Die Musik, die vorher wie das Meer vor den Fenstern des Schlosses auf- und niederwogte, die detailreichen Verästelungen des Dickichts der Gefühle der Protagonisten auslotete, ist auf einmal nur noch schwülstig und melodramatisch. Wenn die Oper mit Mélisandes Tod überraschend klischeehaft endet, wirkt der Applaus dementsprechend unentschlossen.

Warlikowski, der nicht nur in seiner polnischen Heimat als Regie-Star gefeiert wird, verliert auf dem Weg zum Finale auch immer mehr seine zweite Handlungsebene aus den Augen, die er im Prolog einleitet und in den Bildern verfolgt: Bevor Sylvain Cambreling das kurze Vorspiel andirigiert, spricht Bariton Leigh Melrose, der in der Rolle des Golauds auch schauspielerisches Können beweist, einen Text aus der dänischen Film-Noir-Hommage „Reconstruction“ von Christoffer Boe.

Es geht um die Geschichte „Mann trifft Frau“, so alt wie die Welt, und sie findet am Bartresen statt. Da sitzt Sopranistin Barbara Hanningan als Mélisande, trinkt und raucht.

Männerfantasie

Später rekelt sie sich oft in Unterwäsche auf dem Parkett oder den Waschbecken, die auch eine Grotte oder eine Schlachtbank symbolisieren. Die (E-)Zigarette ist ihr die ganzen vier Stunden lang ständige Begleiterin. Die geheimnisvolle Frau, das dunkle Zentrum des Geschehens, wird so zur abgeschmackten Männerfantasie. Schade.

Termine: 24., 26., 27. und 31. August 2017 in der Bochumer Jahrhunderthalle. Karten: Tel. (0221) 28 02 10.