Dem alten Erfolgsrezept treu geblieben

Jan Garbarek und die Hilliards

GRONAU Seine dem Zufall entsprungenen Melodien versprühen einen spirituellen Zauber. Wenn Star-Saxofonist Jan Garbarek auf- und abläuft, testet, von welchem Punkt aus sein Instrument den Kirchenraum klanglich am besten nutzen kann, und schließlich eine kleine Reise durch das Mittelschiff antritt, schwelgt der Norweger in einer kontemplativen Musik, die weit jenseits üblicher Kirchenkompositionen schwebt. Genau das macht die Zusammenarbeit des Jazzers mit dem Hilliard-Ensemble so besonders.

von Von Heiko Ostendorf

, 01.05.2011, 16:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Meister der Improvisation: Jan Garbarek.

Meister der Improvisation: Jan Garbarek.

Das hat dem Quintett bereits 1993 mit der ersten CD-Veröffentlichung „Officium“ einen Überraschungserfolg beschert. Im vergangenen Jahr hat die Kombination Hilliard/Garbarek nachgelegt und sich mit „Officium Novum“ der armenischen und russischen Kirchenmusik gewidmet. Geändert haben sich nur die kompositorischen Grundlagen, über denen der Saxofonist sich entfaltet. Geblieben ist das sanfte, seelenvolle und mit viel Hall versehene Genießen langanhaltender Töne und kontrapunktischer Feinheiten. Das allerdings kennt man nun schon seit fast 20 Jahren. Trotz aller Fokussierung auf das Improvisatorische wirkt das Wandern der Musiker durch den Kirchenraum mittlerweile wie eine dramaturgisch genau geplante Prozession. Man kann der Gruppe gar nicht vorwerfen, dass sie an dem einmal gefundene Erfolgsrezept festhält. Doch nach gut zwei Jahrzehnten braucht auch die beste Idee irgendwann eine Auffrischung.