Demenz-Stück "Vater": Premiere am Schauspielhaus

Riemenschneider inszeniert

Wer ist eigentlich diese Frau, die behauptet, meine Tochter zu sein? Das Stück "Vater" des französischen Gegenwarts-Dramatikers Florian Zeller beschäftigt sich mit dem Thema Demenz und ist seit 2014 ein Renner auf europäischen Bühnen. Regisseur Alexander Riemenschneider inszeniert es in den Bochumer Kammerspielen.

BOCHUM

, 11.02.2016, 11:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bernd Rademacher (im Hintergrund) spielt die Hauptrolle des Vaters André.

Bernd Rademacher (im Hintergrund) spielt die Hauptrolle des Vaters André.

„Allein in Deutschland sind 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt“, sagt der Regisseur, der sich in Bochum mit der Handke-Inszenierung „Die Unvernünftigen sterben aus“ einen Namen gemacht hat. Bei seiner Beschäftigung mit dem Stück „Vater“ ist er auf ein Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung und große Fragen des Theaters nach Identität, Heimat, (familiärer) Zugehörigkeit und der Möglichkeit von Kommunikation gestoßen: „Was ist das für eine ultimative Obdachlosigkeit, wenn jemand sein Zuhause und die Menschen, die ihn umgeben, nicht mehr erkennt?“

Belebtes Bühnenbild

Um dem Zuschauer ein Gefühl für das Erleben von Demenzkranken zu geben, hat er mit Bühnenbildner David Hohmann eine „belebte Bühne“ entworfen. Dafür, dass dort nichts sicher an seinem Platz steht, sorgt ein Chor aus Schauspiel-Nachwuchs. Sie bewegen sich choreographiert am Rande der Wahrnehmung und verschieben die Requisiten. Bis der Zuschauer sich zusammen mit der Hauptfigur André fragt: Wo ist der Stuhl hin?

Bernd Rademacher spielt diesen André, der Löcher im Gedächtnis hat, aber versucht, es vor seiner Tochter Anne zu verbergen. Anne wird von Xenia Snagowski gespielt, manchmal aber auch von Kristina Peters. Nichts ist hier sicher – auch nicht die Chronologie der Ereignisse.

Fünf Tage

„Vater“ erzählt von fünf Tagen im Leben Andrés – aus seiner Sicht. Fünf Tage, in denen er zur Tochter ziehen muss, weil er seine Pflegekräfte verschlissen hat, und schließlich in ein neues Heim gebracht wird.

Für die Recherchen zur Inszenierung hat sich Riemenschneider mit Wolfgang Wessels von der Bochumer Alzheimer-Gesellschaft getroffen und eine Wohngruppe mit Erkrankten besucht. „In einer Gesellschaft, wo das Ich zählt und was es als abgeschlossenes System leisten kann, ist Demenz natürlich ein Problem.“ Trotz des schwierigen Themas habe aber durchaus Humor und Witz wie Vater und Tochter um die Deutungshoheit über die Realität kämpfen