Demo gegen Rechtsextremismus in Dorstfeld

Wilhelmplatz

Mehrere hundert Dortmunder wollen den Dorstfeldern am Freitagabend den Rücken stärken und demonstrieren auf dem Wilhelmplatz für Solidarität und Respekt. Anlass ist ein Aufmarsch von Neonazis in dem Stadtteil - der zurzeit ein Polizei-Kiez ist.

DORSTFELD

, 18.11.2016, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aktualisierung 20:45 Uhr: Erklärung von DGB, Kirchen und Unternehmen in NRW

Dortmunds DGB-Vorsitzende Jutta Reiter hat vor etwa 200 Demonstranten auf dem Wilhelmplatz eine Erklärung verlesen. Urheber sind der DGB NRW, die Unternehmer NRW sowie die katholischen und evangelischen Kirchen. Sie sprechen sich "für ein weltoffenes und tolerantes Nordrhein-Westfalen aus". "Migranten und Zuwanderer haben einen festen Platz in unserer Gesellschaft", sagte Jutta Reiter an dem Ort, den Nationalsozialisten in modernem Gewand als ihr Revier markieren wollen. Mit Sorge beobachten die Unterzeichner der Erklärung die Polarisierung in Deutschland: "Populisten schüren Ängste und Hass ... Im Internet beobachten wir eine Verrohung des zwischenmenschlichen Umgangs".

Dorstfeld wird stigmatisiert

Hartmut Anders-Hoepgen vom Runden Tisch für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Dortmund sagte, dass Vielfalt, Demokratie und Menschrechte unveränderbare Werte in Dortmund bleiben. Er kritisierte Medienberichte, in denen Dorstfeld als Nazi-Stadtteil stigmatisiert würde. Zwar würden die 25 Neonazis den Stadtteil mit kriminellen und menschenverachtenden Methoden terrorisieren, aber der Bezirk sei eben nicht durch und durch rechtsextrem. "Es geht nicht in meinen Kopf" - das sagte der frühere Superintendent der evangelischen Kirche über Störungen von Neonazis am 9. November 2016 gegen eine Gedenkveranstaltung, mit der in Dorstfeld an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert werden sollte.

"Das ist Nachbarschaftshilfe"

Einer der 200 Demonstranten war der Huckarder Peter Muschak. Er setzt sich schon seit vielen Jahren gegen den Rechtsextremismus ein. "Dass ich hier bin, ist einfache Nachbarschaftshilfe", sagte er. Solidarisch zeigte sich auch die "es reicht"-Kampagne. Iris Berner-Leushacke berichtete den Demo-Teilnehmern auf dem Wilhelmplatz, dass die vielen Aktionsbündnisse in Dortmund in den letzten Jahren nicht immer einer Meinung gewesen sei, aber in einer entscheidenden Frage an einem Strang ziehe: Wenn es gegen Nazis gehe, halte man zusammen.

Die Polizei berichtete am Freitagabend, dass sie wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz gegen Teilnehmer des  Neonazi-Rundlaufs in Unterdorstfeld diverse Ermittlungsverfahren eingeleitet habe. Auf einer von der Polizei stark verkürzten Strecke waren etwa 100 Rechtsextremisten unterwegs.

Für ihn war es Nachbarschaftshilfe: Peter Muschak kam aus Huckarde nach Dorstfeld. Foto: Peter Bandermann

 

Aktualisierung 20:03 Uhr: Demonstration beendet

Die Demonstration auf dem Wilhelmplatz ist seit wenigen Minuten vorbei. Insgesamt hatten sich 200 Demonstranten trotz des schlechten Wetters zusammengefunden. Der Aufmarsch der Nationalsozialisten hat noch nicht begonnen.

So berichteten wir bisher:

Mit einem Großaufgebot sind Bundespolizei und Landespolizei in Dorstfeld im Einsatz, um die Teilnehmer einer Protestaktion gegen neue Nationalsozialisten vor Übergriffen zu schützen. Autofahrer und Nahverkehrskunden müssen an diesem Freitagabend (18.11.2016) mit Straßensperren und verspäteten Bussen und Bahnen rechnen. Die Polizei rechnet mit 100 Neonazis, die ab 19.30 Uhr durch Unterdorstfeld ziehen. Die Journalistin Gülseren Ölcüm - hier bei Twitter - hat Dorstfeld Anfang November mit Kamera und Mikro für das Y-Kollektiv besucht. Das Ergebnis und ihr persönliches Fazit gibt's bei Youtube:

„Wir wollen den Dorstfeldern unsere Solidarität aussprechen und ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Wir brauchen keine Nazi-Kieze – hier nicht und auch nicht anderswo“, sagt die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Jutta Reiter, die auch für den Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus spricht. Als Teil seiner Respekt-Woche inszeniert der DGB auf dem Wilhelmplatz die Fotoaktion „Unsere Alternative heißt Respekt und Solidarität“. Die Teilnehmer der Protestaktion visualisieren ihre Solidarität mit Transparenten und viel Präsenz.

Jutta Reiter: „Den Wilhelmplatz wollen wir als Herz Dorstfelds beschützen.“ An den Aktionen beteiligt sich auch das Bündnis „Blockado“. „Wir stehen zusammen“, erklärt die DGB-Vorsitzende.

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