Denis Matsuev klopfte den Steinway weich wie Butter

Klavier-Festival Ruhr

Stücke, die direkt dem musikalischen Herzen Amerikas entstammen, spielten die Bochumer Symphoniker beim ersten Auftritt im Programm des Klavier-Festivals Ruhr, den sie im eigenen Musikforum bestritten. Star des Abends war ausgerechnet ein russischer Pianist: Denis Matsuev, der sonst für seine Rachmaninov-Einspielungen gefeiert wird, fühlt sich auch im amerikanischen Jazz Zuhause, sieht Größen wie Oscar Peterson als Vorbilder.

BOCHUM

, 07.07.2017, 15:54 Uhr / Lesedauer: 1 min

Oscar Petersons Spiel zeichnete sich durch eine ungeheure Geschmeidigkeit und Wendigkeit aus, mit der rechten Hand konnte irrsinnig schnelle Läufe spielen und verlor trotzdem den melodischen Bogen nie aus den Augen. Denis Matsuev, der gekommen ist, um George Gershwins berühmte, Klassik und Jazz verbindende "Rhapsody in Blue" zu spielen, hat diese Qualitäten auch. Dazu kommt bei ihm allerdings eine ungeheure Kraft, die allein in den Händen und Fingern zu stecken scheint. Ja, man kann sagen, der 42-Jährige ist ein Berserker am Klavier.

Lange Solo-Passagen

Er klopft den Steinway weich wie Butter und formt ihn nach seinem Gutdünken. Er tut das in langen Solo-Passagen, die er mit seiner Rhythmusgruppe in die Rhapsody einbaut, und er tut es in Zugaben wie einer Jazz-Version von Griegs "In der Halle des Bergkönigs". Einzig Matsuevs Eigenkomposition "Ballade" bringt ein wenig Beruhigung.

Schon in der ersten Hälfte des Konzerts, die die Bochumer Symhoniker unter ihrem gut aufgelegten Generalmusikdirektor Steven Sloane allein bestritten, war das Orchester im ausgelassenen Modus: Gershwins "Cuban Overture" und Arturo Márquez "Danzón No. 2" sind kubanische Rhythmen, Themen und Motive in feurigen Orchesternummern.

Mit viel Tempo gespielt

Die Bosy spielen sie äußerst mitreißend in hohem Tempo und mit gut gesetzen dynamischen Akzenten. Mehr Tiefe hat dagegen Aaron Coplands "El Salón México", das die Zerrissenheit der mexikanischen Gesellschaft spiegelt.

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