Der Abschied fällt den Schülern schwer

Nikolaus-Kopernikus-Realschule

Zum Schuljahres-Ende wird die 2001 als „Ableger“ der Netter Albert-Schweitzer-Realschule eröffnete Nikolaus-Kopernikus-Realschule für immer geschlossen. Ein vorzeitiges Aus vor zwei Jahren konnten Eltern und Schüler erfolgreich abwenden. Für sie hätte es nicht besser laufen können, sagen die Schüler des letzten Jahrgangs.

WESTERFILDE

, 06.07.2017, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Abschied fällt den Schülern schwer

„Der T(h)on formte uns“ und „Schicht im Schacht“ steht auf den T-Shirts, mit denen sich die Schüler der 10b von ihrem Klassenlehrer Philipp Thon (Mitte) verabschiedeten. Der Hingucker darauf ist eine Karikatur des beliebten Pädagogen, die der bekannte Cartoonist Oli Hilbring für seinen großen Fan kostenlos gezeichnet hat.

„Woanders wäre uns ganz sicher nicht so ein guter Abschluss gelungen“, ist John (16) aus der 10b überzeugt. Eine neue Umgebung, eine neue Klasse und vor allem der Verlust der vertrauten Lehrer, das alles hätte ihre weitere Schullaufbahn ganz sicher negativ beeinflusst.

Der Grund für die Schließung ist die geplante Erweiterung der Reinoldi-Sekundarschule am Standort Westerfilde. Im ablaufenden Schuljahr besuchten so nur noch 50 Jugendliche, verteilt auf zwei zehnte Klassen, die Nikolaus-Kopernikus-Realschule.

Leere Cafeteria

Dass die Schülerzahl immer mehr geschrumpft sei, habe man schon gespürt, sagt Milena (16). Immer weniger bekannte Gesichter, immer weniger Räume und Trubel, eine leere Cafeteria, mehrere Umzüge innerhalb des Schulgebäudes – das seien die äußeren Merkmale des Schullebens gewesen. Genossen hätten sie die vergangenen zwei Jahre aber trotzdem, allein durch den gemeinsamen Kampf für den Erhalt der Realschule bis 2016/17 sei der Zusammenhalt untereinander noch stärker geworden, so Melina.

Auch der Unterricht habe nicht gelitten, obwohl die verbliebenen neun Pädagogen zwischen mehreren Schulen pendeln mussten. „Was die Lehrer hier geleistet haben, verdient Applaus“, sagt John. Unterrichtsausfall sei in den vergangenen zwei Jahren kaum ein Thema gewesen. Für Philipp Thon, Klassenlehrer der 10b, schließt sich ein Kreis. „Wir sind 2001 mit einem Jahrgang gestartet, nun endet es mit einem Jahrgang.“ Alle Lehrer dürften ab dem kommenden Schuljahr an ihrer Wunschschule unterrichten, lobt Thon den Einsatz der Schuldezernentin.

Dorfschulcharakter

Das dickste Lob kassiert an diesem Vormittag aber er selbst. „Herr Thon war mehr als ein Lehrer, manchmal ein guter Freund, mit dem man sich unterhalten konnte“, sagt Melina. Die Mädchen redeten oft über den bevorstehenden Abschied und versuchten dann, nicht zu weinen. „Es war schön, dass wir alle zusammen den Abschluss machen konnten“, meint auch Fabian aus der 10b.

Während den jungen Leuten, die offiziell am vergangenen Freitag entlassen wurden, eher der Abschied von ihren Schulkollegen und Lehrern schwer fällt, trauern die Erwachsenen schon jetzt um „ihre“ Schule. Ob Schulpflegschaftsvorsitzende Heike Leinhäuser, Integrationskraft Diana Teichmann oder Lehrer Philipp Thon: Sie alle schätzten vor allem die familiäre Atmosphäre innerhalb der Schulmauern. „Die Nikolaus-Kopernikus-Realschule war eine dörfliche Schule, wir werden sie vermissen“, so Diana Teichmann.

Anfang 2015 mussten Schüler und Eltern um die vorzeitige Schließung der Realschule bangen. Und das, obwohl es einen Ratsbeschluss für den Erhalt bis 2016/17 gab. Aufgrund ihres Protestes rückte die Bezirksregierung Arnsberg aber wieder von dem Vorhaben ab, die Schule schon 2015 zu schließen. Ein konkreter Zeitplan zum Neubau der Reinoldi-Schule am Standort liegt der Redaktion noch nicht vor.

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