Der ägyptische Schatz

Gustav-Lübcke-Museum

Ägypten mit seinem Pyramiden und Pharaonengräbern ist immer noch ein Sehnsuchtsort. Wer stark an diesem Fernweh leidet, kann es jetzt im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm stillen. Dort eröffnet am Sonntag die berühmte Ägyptensammlung des Hauses neu.

HAMM

, 27.08.2015, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der ägyptische Schatz

Der riesige, fantastisch bemalte Mumiensarg des Peti-Imen-menu aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, auf dem die Himmelsgöttin Nut ihre Flügel ausbreitet.

Warum es diese hochkarätige Sammlung - es ist die größte ihrer Art im Ruhrgebiet - überhaupt gibt, ist eine Geschichte für sich. 1886 gründeten Bürger der Stadt Hamm im Zuge der Begeisterung für Ägypten einen sogenannten Mumienverein.

Tatsächlich gelang es mithilfe von "Mumienaktien" im Wert von 20 Mark, genug Geld für den Ankauf einer Mumie zusammenzubringen. Mit der Sammlung des Museumsdirektors Gustav Lübcke kamen um 1925 weitere kostbare Funde in den Besitz der Stadt.

Legendäre Mumie zerstört

Die legendäre "Hammer Mumie" wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, doch es blieb genug Faszinierendes erhalten: zum Beispiel der riesige, fantastisch bemalte Mumiensarg des Peti-Imen-menu aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, auf dem die Himmelsgöttin Nut ihre Flügel ausbreitet.

Man beachte auch die Strähnchenperücke! Eines der kostbarsten Ausstellungsstücke ist eine winzige Ringplatte (nur das Schmuckelement ist erhalten, der Ring selbst nicht) des berühmten Pharaos Tutanchamun, dessen Goldmaske zusätzlich als Replik über die Schau wacht.

Präsentation ist populärer geworden

"Die Namen Echnaton, Tutanchamun und Nofretete kennt fast jeder, bisher waren sie jedoch kaum bei uns vertreten", sagte die Kuratorin Carola Nafroth vom Gustav-Lübcke-Museum gestern. Jetzt hat die berühmte Armana-Kultur eine eigene Ecke inklusive einer Kopie des Nofretete-Kopfes.

Ziel des Umbaus war also nicht nur der Einbau einer Klimaanlage. Die Präsentation ist populärer und verständlicher geworden - und eine Attraktion für Familien.

Exotische Welt

"Der Besucher taucht jetzt in eine ägyptische Welt ein", versprach Direktorin Friederike Daugelat. Da passte es gut, dass in dem 500 Quadratmeter großen Saal schon Säulen standen. Sie bekamen ein ägyptisches Zickzackmuster.

Palmen und der Eingang zu einem Tempel mit einer Osiris-Statue im Allerheiligsten machen die Illusion nicht perfekt, dazu ist das Umfeld zu weiß und sachlich.

Aber eine Ahnung bekommt der Besucher doch von den gigantischen Anlagen entlang des Nils. Ein Zeitstrahl erklärt die unterschiedlichen Epochen. Der Besucher lernt das Alte Ägypten in zehn Kapiteln kennen.

Grafiken erläutern zum Beispiel, dass in den Mumienbandagen zahlreiche Amulette steckten.

Nicht zu übersehen ist das neueste Exponat des Hauses. Der Granitsarkophag des Sechem-ka, eines königlichen Gefolgsmannes, wiegt 7,5 Tonnen. Die gigantische Steinkiste ist als Dauerleihgabe aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim gekommen, beide Häuser planen eine enge Kooperation.

Blickfänge der Hammer Sammlung sind auch das Schiffsmodell, das um 2000 vor Christus entstanden ist, die "Scheintür des Djeti" (2200 v. Chr.) mit ihren Hieroglyphen oder eine Mumienmaske mit anmutigen, von Kajal umflorten Augen (300 v. Chr.).

Eigener Tempel für Kinder

Kinder können in dem Raum ihren eigenen Tempel entdecken. Ab einem Alter von etwa acht Jahren dürfen sie außerdem einen speziellen Multimediaguide nutzen, bei dem Jürgen Kluckert - die Stimme von Benjamin Blümchen - durchs Museum führt.

Dieses Angebot ist perfekt abgestimmt auf den Multimediaguide der Eltern, die stattdessen die Stimme des Schauspielers Leonard Lansink hören. Erwachsene und Kinder können mit dem Guide das ganze Museum in 60 Minuten erleben. Denn die Ägypten-Abteilung ist die letzte, die nach der kompletten Umgestaltung des Hauses nun endlich wieder öffnet.