"Der Anruf kam wie ein Signal des Himmels"

Interview mit Edwin Jacobs

Überraschend gab die Stadt gestern bekannt, wer ab Anfang 2017 den U-Turm leiten soll: Der Niederländer Edwin Jacobs, Generaldirektor des Centraal Museums in Utrecht. Tilman Abegg hat in Utrecht angerufen und einen gut gelaunten Museumsdirektor nach seinen Gründen und Plänen gefragt.

DORTMUND

, 05.07.2016 / Lesedauer: 3 min
"Der Anruf kam wie ein Signal des Himmels"

Edwin Jacobs soll ab 2017 den Dortmunder U-Turm leiten.

Die Stadt hat nun mehrere Jahre erfolglos nach einem neuen Leiter fürs U gesucht – man könnte denken, den Job möchte niemand machen. Was hat die Stadt Ihnen geboten, damit Sie zusagen? (Lacht) Was passiert ist, war: Herr Eichler [Chef der Kulturbetriebe und kommissarischer Leiter des U, Anm.d.Red.] rief mich an...

...wann? Das war, Moment, am 18. Mai. Er rief an und fragte, ob ich interessiert sei, den U-Turm zu besuchen, und bot mir an, mich über den U-Turm zu informieren und danach den Kontakt zu mir aufrechtzuerhalten. Es war ein sehr angenehmes, freundliches Gespräch.

Kannten Sie den U-Turm bereits? Ja, ich war 2010 während des Kulturhauptstadtjahrs im U-Turm. Ich fand es damals schon sehr spannend, so einem Gebäude mit bildender Kunst eine neue Bedeutung zu geben, und diese Mischung ist sehr interessant.Und nach dem Gespräch mit Kurt Eichler kamen Sie wieder her? Mein Besuch war am 25. Mai. Das war auch sehr angenehm und offen, ich habe einige Personen des Turms kennengelernt, mit ihnen geredet, und dann hat es einfach Klick gemacht, es hat gezündet. Dortmund habe ich mir auch angeschaut, bin spazieren gegangen, habe mich in ein Café gesetzt, Kaffee getrunken, und wollte wissen: Wie ist die Dynamik? Was fühlt man hier in Dortmund?Und, wie ist die Dynamik? Es liegt umgeben von Grün, aber man fühlt Arbeit, Industrie, Internationalität, eine Mischung von Identitäten. Man fühlt auch, dass es eine neue Stadt ist, in den 50er- und 60er-Jahren neu aufgebaut. Daraus entsteht eine bestimmte Energie. Ich habe mich gleich sehr wohl und zuhause gefühlt.Sechs Wochen nach diesem Besuch steht Ihr Wechsel nach Dortmund fest –  Sie haben sich ausgesprochen schnell entschieden. Ja, aber wenn man fühlt, das ist der richtige Moment, dann muss man nicht lange überlegen. Hier in Utrecht war ich nicht auf der Suche, das Museum ist gut eingerichtet, neue Ausstellungsräume, neues Restaurant. Aber ich war ganz offen für die Zukunft, und der Anruf kam wie ein Signal des Himmels.Wie lange müssen Sie mindestens bleiben, bis auch das U gut eingerichtet ist? Das ist eine gute Frage. Mein Vertrag geht über fünf Jahre, mit Option auf Verlängerung. Meine Erfahrung ist, dass man mindestens fünf Jahre braucht, um einen Ideenwechsel oder eine neue Energie zu finden und wirken zu lassen.Sie sagen, ein Museum sei wie eine Persönlichkeit. Dann ist der U-Turm eine multiple Persönlichkeit, oder? (Lacht) Es sind mehrere Persönlichkeiten in einer, ja. Aber ich meine damit: Ein Haus hat eine Identität, eine Seele. Und das müssen wir herausfinden: Was verbindet uns, wo ist der inhaltliche Anknüpfungspunkt für alle Abteilungen des U? Ich habe einige Strategien im Kopf, mit denen wir diese Seele finden können. Dieser Auftrag gefällt mir sehr.Jetzt am Telefon klingen Sie sehr nett und freundlich. Ich vermute jedoch, dass der neue Leiter des U in der Lage sein muss, sich durchzusetzen. Können Sie das? Der Findungsausschuss hat mich gefragt: Warum glauben Sie, Sie sind der Richtige? Und ich habe gesagt: Ich bin sehr zielgerichtet und konsequent, und ich bin sehr positiv und optimistisch. Beides braucht man jetzt.Für das Utrechter Museum haben Sie für 2018 eine große Caravaggio-Schau vorbereitet. ’Caravaggio im U’, das klingt auch sehr gut, oder? (Lacht) Hui, ja, also viele der Caravaggisten stammen ja aus Utrecht. Ich muss gestehen, ich kenne jetzt keinen Caravaggisten, der aus Dortmund kommt.Wie viele Besucher hatte das Centraal Museum 2015? Wir hatten 200 000. In diesem Jahr haben wir bereits schon 300 000.Sie meinen – 300 000 bis jetzt? Wie haben Sie das gemacht? Wir haben ein neues Kindermuseum, und das ist ein großer Erfolg.Der U-Turm hatte 2015 etwa 140 000 Besucher. Vielleicht können Sie diesen Schwung aus Utrecht mitbringen. Das hoffe ich.

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