Der buddhistische Minimalist: Willy Decker wird 65

Welche Oper Willy Decker auch anfasst - das Kritikerlob ist ihm fast immer sicher. Nun wird der vielseitige Regisseur und Zen-Buddhist 65 Jahre alt.

Düsseldorf (dpa)

von Von Constanze Schmidt und Dorothea Hülsmeier, dpa

, 08.09.2015, 00:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Willy Decker will zukünftig etwas kürzer treten. Foto: Roland Weihrauch

Willy Decker will zukünftig etwas kürzer treten. Foto: Roland Weihrauch

Er gehört zu den renommiertesten Opernregisseuren Europas und wurde mit vielen Preisen bedacht: Willy Decker wird am Dienstag 65 Jahre alt.

Bis heute ist der bedächtig und philosophisch auftretende Decker, der 2009 bis 2011 als Intendant die Ruhrtriennale leitete, international unterwegs. Am 5. September feierte seine Inszenierung von Leo Janaceks «Katja Kabanova» am Osloer Opernhaus Premiere. Vor knapp einem Jahr allerdings musste Decker aus gesundheitlichen Gründen am Zürcher Opernhaus von der Regie von Benjamin Brittens «The turn of the screw» zurücktreten.

In nächster Zeit mache er «in der Tat so etwas wie eine kreative Pause», sagt Decker der Deutschen Presse-Agentur. So sei er im kommenden Jahr nur in Tokio für einen «Tristan», später noch einmal an der Wiener Staatsoper für eine Erweiterung seiner dortigen «Lulu»-Inszenierung tätig. «Ich möchte insgesamt weniger Oper machen und mich mehr auf meine zen-buddhistische Praxis und die Arbeit mit meinem Zen-Meister konzentrieren.»

Aufgewachsen im rheinischen Katholizismus, bekennt Decker sich seit Jahren zu der stark auf Meditation ausgerichteten Richtung des Zen-Buddhismus und widmete der Glaubensrichtung auch eine der Spielzeiten der Ruhrtriennale.

Vor allem mit den Salzburger Festspielen ist der Name des am 8. September 1950 in Pulheim bei Köln geborenen Decker verbunden. Denn zwei Welterfolge verdankten sie dem international gefragten Regisseur. «Seine Regie von Erich Wolfgang Korngolds «Die tote Stadt» war einer der Höhepunkte der Salzburger Festspielsaison 2004», sagt Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler. Gefeiert wurde 2005 vor allem aber Deckers starke Regie von Verdis «La Traviata». Das «meistbeachtete Opernereignis des Sommers» habe seinerzeit Rolando Villazón an der Seite der genialen Anna Netrebko in eine Weltkarriere katapultiert, sagt Rabl-Stadler.

Seine ersten Karriere-Schritte machte der Theater- und Musikwissenschaftler, der auch ein Gesangsstudium aufweisen kann, in Köln. Seit 1978 machte Decker mit eigenen Regiearbeiten von sich reden. Viele Inszenierungen Deckers entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Kostümbildner Wolfgang Gussmann und zeichnen sich durch szenischen Minimalismus und psychologisch präzise Personenführung aus. Dass er auch Ärger in Kauf nimmt, bewies Decker 1999, als er erstmals in der Geschichte Bayreuths ein Regieangebot ablehnte.

Der rheinischen Heimat rund um Köln ist Decker treu geblieben: Er lebt im Bergischen Land und unterrichtet an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater das Fach Regie.