Der Chinesische Garten ist der authentischste seiner Art

Serie Gartenkunst - Folge 6

Ein Garten der Dichter und Gelehrten ist der Chinesische Garten im Botanischen Garten an der Bochumer Ruhr-Universität. Als Geschenk der Partner-Universität kam er 1990 ins Ruhrgebiet, wurde von einem chinesischen Architekten entworfen. Er heißt „Qian Yuan“, der versteckte Garten. Und er ist ein ganz besonderer.

BOCHUM

, 29.08.2017, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der chinesische Architekt hatte zuvor schon zahlreiche Gärten in China entworfen. Auch deshalb spricht Gordon Wassermann, Vorsitzender des Fördervereins des Chinesischen Gartens, von „dem authentischsten seiner Art in Deutschland“.

Vor der Eröffnung im Jahr 1990 waren etliche Arbeiter aus China vor Ort, die die Materialien gleich mitbrachten. Er ist im südchinesischer Stil gehalten, der Architekt besann sich auf schlichte Materialien wie Naturstein, Holz, Ziegel und zurückhaltende Farben – die Natur sollte der Baumeister sein.

Chinesischer Garten geht auf Legende zurück

Es sind einige Meter zu bewältigen, ehe der Garten erreicht ist, allein vier Stufen bis zum verwitterten Kalkstein, der von Bambus flankiert wird. Der Garten ist verwinkelt, einen ersten Blick auf Seerosen und Wasserfall gibt es am im September rot blühenden Ahorn vorbei hinter einem Zick-Zack-Weg. Er verläuft nicht gerade, weil er den Weg verlängern soll und den Lebensweg symbolisiert.

An einer Kreuzung teilt sich der Zick-Zack-Weg, nach rechts geht es weiter in die große Halle. Rechts steht auf einer Steintafel die Legende des Pfirsichblütenlandes von Qian Yuan. „Pfirsichblütenquell“, das Gedicht, auf das sich der Garten bezieht, geht auf einen Bericht des chinesischen Dichters aus dem 4. Jahrhundert zurück.

 

Neben dem Gedicht geht eine Treppe hinab zu einem Raum, durch dessen kreisrunde Öffnung man einen wunderbaren Blick auf den Garten hat, mit Seerosen direkt davor. In dem kleinen Raum ist vor zwei Jahren eine Zither-Spielerin aufgetreten. Überhaupt ist der Chinesische Garten ein kultureller Ort.

2010 fand hier ein Jazzkonzert statt. Auch Lesungen wurden im Garten veranstaltet. Auf den 1000 Quadratmetern sind die Pflanzen hintergründig. Künstlich angelegte Seen und Hügel, ungewöhnlich geformte Vegetation und Steine sind die wesentlichen Elemente. Jedes Zeichen und jedes Symbol haben etwas zu bedeuten.

Das Wasser, das den Großteil des Gartens ausmacht, beispielsweise steht für Anpassungsfähigkeit und Unendlichkeit. Die Steine, die sich um das Wasser herum auftürmen, stehen für Widerstandsfähigkeit. Zudem sollen sie das Wasser verlängern.

 

Besonders wichtig sind geometrische Formen, vor allem Kreise, die den Himmel verkörpern, und Quadrate, die die Erde symbolisieren. Von den Seerosen schweift der Blick auf das Miniaturgebirge, durch das sich der Wasserfall seinen Weg bahnt.

Dort, wo sich der Zick-Zack-Weg teilt, begleiten Reliefs chinesischer Gärten den Besucher hinunter zu einem bäuerlichen Hof mit Brunnen. Passiert man diesen, gelangt man zur Fährstelle des Gartens mit Felsen im Wasser. Dort, wo das Boot der Imagination ablegt, tummeln sich japanische Karpfen. Mit den Booten sollen die Besucher ihre Gedanken fortschicken.

 

Hinter einem kleinen Felstunnel gelangt der Besucher zu einer kreisrunden Öffnung in der Wand, hinter dem sich ein Kiefernwald offenbart. Daneben stehen zwei Trauerweiden – es sind die Lieblingsbäume des Dichters  Qian Yuan und regen zum Gedankenaustausch an. Ein paar Schritte weiter wartet der nächste Tunnel, die Innenseite des Wasserfalls. Wieder im Freien lädt der Pavillon „des lauen Windes in der Mondnacht“ auf der Rechten zum Verweilen ein.

Der Eintritt zum Botanischen Garten (Universitätsstraße 150), in dem sich der Chinesische Garten befindet, ist kostenlos. Öffentliche Führungen gibt es 2018 wieder. Der Garten ist von April bis Oktober von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Randbemerkung: Medien und Hochzeiten sei Dank

Gordon Wassermann, Vorsitzender des Fördervereins des Chinesischen Gartens in Bochum, nennt ihn den „authentischsten chinesische Garten seiner Art in Deutschland“. Dementsprechend viel Arbeit macht er auch – doch nicht nur, was die Pflege angeht, sondern auch medial.

Vor einigen Jahren fragte ein chinesische Lokalsender an, ob er nicht an der Bochumer Ruhr-Universität eine Serie zur chinesischen Kultur machen kann. Das bestätigt: Die Unterschiede zu seinen Pendants in China können groß nicht sein. Auch ein Filmemacher, den der Architekt mitgebracht hatte, drehte im Garten. Von „unregelmäßigen Anfragen“ spricht Gordon Wassermann.

 

Durchaus regelmäßiger und ungewöhnlich sind die Hochzeitsanfragen. Und dass nicht von Ehepaaren aus Fernost, sondern von türkischen. Die hätten eine Kultur mit sehr aufwendigen Hochzeiten, erklärt Wassermann es sich.

Und ihm soll es doch auch recht sein: So wird ihm in seinem Bochumer Garten nicht langweilig.

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