Der Festspiel-Sommer hat begonnen

Von Flensburg bis Salzburg

Wenn die Theater und Konzerthäuser Sommerferien machen, sind die großen Sommer-Festspiele die Publikumsmagente. Von Flensburg bis zum Bodensee, in Salzburg und in Verona, bieten sie ein großes Programm mit Weltstars und viel Atmosphäre. Oft kann man einen Festspielbesuch gut mit der An- oder Abreise zum Urlaubsort kombinieren. In Salzburg und Bayreuth ist es schwieriger an Karten zu kommen als in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern, wo Klassik-Konzerte auch schon mal im Kuhstall stattfinden. Und in Bregenz und Verona muss man ein bisschen Glück mit dem Wetter haben, denn diese Arenen sind nicht überdacht, dafür ist die Atmosphäre besonders schön.

SALZBURG / BAYREUTH

, 13.07.2015, 12:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Salzburger Festspiele:

Wer Rang und Namen hat in der Klassik-Szene, tritt vom 18. Juli bis 30. August bei den Salzburger Festspielen auf. Mit 250 000 Eintrittskarten und einem Budget von rund 60 Millionen Euro gelten die Salzburger Festspiele als das größte Musik- und Theaterfestival der Welt.

Eröffnet werden die Festspiele von den Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski am Samstag (18. 7.); ab dem 19. Juli steht dann auch der „Jedermann“ auf dem Domplatz auf dem Spielplan – mit Cornelius Obonya als Jedermann, Brigitte Hobmeier als Buhlschaft und Peter Lohmeyer in der Rolle des Todes.

 

Dreigroschenoper mit Max Raabe

Erste Opernpremiere ist Wolfgang Rihms selten gespielte Oper „Die Eroberung von Mexico“ mit Ingo Metzmacher am Pult (26. 7.), gefolgt von der Mozart-Oper „Figaros Hochzeit“ in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf (28.7.) und Bellinis „Norma“ mit Cecilia Bartoli (Foto) in der Titelrolle (31. 7.). Erstmals zeigen die Salzburger Festspiele die „Dreigroschenoper“ – im Doppelpack: im Original mit Max Raabe als Unterweltkönig Macheath und als modernisierte Version.

„West Side Story“

2016 kommt sogar ein Musical auf die Bühne: Cecilia Bartoli singt bei den Pfingstfestspielen in Bernsteins „West Side Story“. Der Musicalklassiker wird vom Sommerfestival übernommen.

„Fidelio“, mit Jonas Kaufmann, unter Leitung von Franz Welser-Möst und in einer Inszenierung von Claus Guth, steht ab 4. 8. auf dem Spielplan, auch Verdis „Trovatore“ und „Ernani“ (mit Muti), „Dido and Aeneas“ mit Hengelbrock, „Werther“ und „Der Rosenkavalier“.

Im Schauspiel inszeniert Stephan Kimmig Goethes „Clavigo“ (ab 27. 7.) und Henry Mason Shakespeares „Komödie der Irrungen“. In den Konzerten sind unter anderem die Wiener Philharmoniker zu hören.

 

Tipps für preiswerte Festspiele in Salzburg:

  • Beim „Young Directors Project“, dem Dirigentenwettbewerb, kann man junge Talente erleben.
  • Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ steht als Kinderoper auf dem Spielplan.
  • Besuche in Meisterklassen bei Stars sind oft öffentlich. Der Eintritt zur Salzburger Universitätsaula ist frei, kostenlose Zählkarten gibt es im Kartenshop der Festspiele.
  • Generalproben von Opern- und Schauspielinszenierungen werden für Publikum oft für wenig Geld geöffnet.
  • Bei den „Festspielnächten“ werden auf dem Kapitelplatz auf einer LED-Leinwand aktuelle und historische Opern- und Konzerte präsentiert. – Kostenlos.
  • Es lohnt sich immer, sich mit einem „Such Karten“-Schild vor das Festspielhaus zu stellen. Oft werden da Karten verschenkt oder preiswert abgegeben. Man sollte nur früh da sein.

 

Bayreuther Festspiele:

Traditionell beginnen die Bayreuther Festspiele am 25. Juli. Als Neuinszenierung bringt Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten und nun Chefin auf dem „Grünen Hügel“, an diesem Tag das Liebesdrama „Tristan und Isolde“ heraus.  

Um 16 Uhr beginnt am 25. Juli die Premiere, zu der vorher wieder viele Ehrengäste über den roten Teppich gehen werden. Es dirigiert Christian Thielemann, der neue Musikdirektor der Festspiele – ein Titel, der für Thielemann eingeführt wurde. Welche Aufgaben er hat, erklären die Festspiele bei einem Pressegespräch am 24. Juli.

"Lohengrin" und der "Ring"

Der „Ring“ in der Inszenierung von Frank Castorf wird vom 25. Juli bis 28. August drei Mal komplett gespielt. Zum letzten Mal dirigiert Kirill Petrenko, designierter Chef der Berliner Philharmoniker, das Bayreuther Festspielorchester. Der „Lohengrin“ in der Inszenierung von Hans Neuenfels mit Klaus Florian Vogt und Annette Dasch wird statt von Andris Nelsons von Alain Altinoglu dirigiert.  

Beim „Fliegenden Holländer“ in der Regie des Hageners Jan Philipp Gloger steht der Düsseldorfer Generalmusikdirektor und ehemalige Dortmunder Kapellmeister Axel Kober am Pult. Mit Sopranistin Christiane Kohl als Helmwige in der „Walküre“ haben die Festspiele auch eine Solistin, die in Dortmund als ehemaliges Ensemblemitglied in guter Erinnerung ist.  

Parsifal für Kinder

In jedem Jahr zeigen die Festspiele auf der Probebühne eine Oper für Kinder. Diesmal ist das „Parsifal“, und an der Fassung hat Katharina Wagner mitgearbeitet. Da ist Christiane Kohl als Blumenmädchen zu hören.

Karten für die Festspiele zu bekommen, ist nicht einfach. Aber der „Tristan“ wird am 7. August ab 15.45 Uhr live ins UCI-Kino im Bochumer Ruhrpark und in das Cinestar Dortmund übertragen.

 

Bregenzer Festspiele:

Bei den Festspielen auf der Bregenzer Seebühne sind die Bühnenbilder immer imposant. In diesem Jahr wird „Turandot“ von Puccini gespielt (22. 7. bis 23. 8.). Im Festspielhaus steht „Hoffmanns Erzählungen“ von Offenbach auf dem Spielplan. Das SWR-Fernsehen zeigt ab 24. 7. die Live-Übertragung von „Turandot“.

Karten: Tel. (0043 5574) 40 70.

 

Opernfestspiele in Verona:

In der Arena di Verona muss man mindestens einmal im Leben gewesen sein. Bei den 94. Opernfestspielen stehen bis 6. September Verdis „Nabucco“ und „Aida“ sowie „Tosca“ von Puccini“, „Don Giovanni“ von Mozart, der „Barbier“ von Rossini und „Roméo et Juliette“ von Gounod auf dem Spielplan.

Karten gibt es nur im Internet.

 

 

Schleswig-Holstein-Musikfestival:

In Schleswig-Holstein ist das Festival mit Stars und Konzerten in Scheunen und anderen ungewöhnlichen Orten Kult. Bis 30. August steht Musik von Tschaikowsky im Mittelpunkt. Neben Werken wie „Schwanensee“ und „Nussknacker“ will das Festival auch weniger Bekanntes präsentieren.

Karten: Tel. (04 31) 23 70 70.

 

Festival in Mecklenburg-Vorpommern:

Ein ähnliches Konzept wie das Schleswig-Holstein-Festival haben die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Bis 19. September gibt es bei der 25. Auflage von Hamburg bis Rügen 125 Konzerte. Das Quartett "Quatuor Ebène" spielt als Residenz-Künstler 18 Konzerte, die in Scheunen, Kirchen, Schlossparks und Industriehallen stattfinden.

Karten gibt es nur in den beteiligten Städten.

 

Opernfestspiele München:

Die Münchner Opernfestspiele haben einen exzellenten Ruf und dauern noch bis 31. Juli. Zwei Premieren stehen diesmal auf dem Spielplan: Debussys „Pelléas et Mélisande“ im Prinzregententheater und „Arabella“ von Strauss mit Anja Harteros in der Titelpartie. Ergänzt wird das Programm mit Produktionen aus dem Repertoire der Staatsoper. JG

Karten: Tel. (089) 21 85 01.