Der Flaschenpostsammler

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

"Hallo, ich bin M., 10 Jahre und möchte ein/eine Brieffreund/in." Einen Zettel mit diesem Worten fand Joachim Römer am 13. April 2013 am Rhein zwischen Bonn und Köln. In einer Flasche. Der Künstler sammelt Flaschenpost und präsentiert sie im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg in einer Installation. Ihr Name ist Programm: "Tausend und eine Flaschenpost".

DUISBURG

, 28.03.2016, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rund 1000 Nachrichten in Flaschen hat Joachim Römer am Rhein gefunden. Für die Ausstellung „Tausend und eine Flaschenpost“ im Duisburger Museum der Deutschen Binnenschifffahrt hat er sie in einer wellenförmigen Installation vereint.

Rund 1000 Nachrichten in Flaschen hat Joachim Römer am Rhein gefunden. Für die Ausstellung „Tausend und eine Flaschenpost“ im Duisburger Museum der Deutschen Binnenschifffahrt hat er sie in einer wellenförmigen Installation vereint.

Fein säuberlich, nach Funddaten sortiert stehen dort rund 1000 Flaschen in einem weißen Regal. Wellenförmig windet sich das indirekt von hinten beleuchtete Holzkonstrukt durch den Ausstellungsraum. Alchemistisch wirkt der weiße Raum, in dem einige grüne und braune Flaschen Farbakzente setzen. Die Ästhetik der Installation zieht den Ausstellungsbesucher in den Raum hinein.

"Fluss des Lebens"

Römer steht da zwischen all der Flaschenpost, umgeben von Geheimnissen, die einige enthalten. Liebesschwüre, Wünsche, Abschiedsworte. So etwas schreiben Menschen auf und übergeben es dem Rhein, "dem symbolischen Fluss des Lebens", wie Joachim Römer den Fluss nennt, in dem beinahe all seine Funde schwammen.

Aber längst nicht jeder Brief ist emotional. Einige Absender, wie der kleine M., suchen Brieffreunde. Andere grüßen einfach die Finder. Zwei Studentinnen erlaubten sich den Spaß, mit einer Flaschenpost auf Partnersuche zu gehen: "(...) Wenn Du zwischen 20 & 35 Jahre alt bist, alleinstehend, gut aussehend, Ziele in Deinem Leben hast und nicht vollkommen psychopathisch bist, melde Dich (...)."

Joachim Römer hat lange überlegt, ob er die Texte veröffentlichen dürfe. Er entschied sich dafür, weil er überzeugt ist, dass Flaschenpost geschrieben wird, damit sie jemand liest. So war es zumindest ursprünglich, als sie Medien waren, mit denen in Not geratene Seemänner Hilferufe absandten.

Einer der ersten Funde des Kölners war so ein Hilferuf - vermutlich nicht ernst gemeint: Unbekannte gaben an, in einem Schiff auf Mallorca gefangen zu sein. Joachim Römer entdeckte die Nachricht am 19. Dezember 1998 am Rhein. Das war in dem Jahr, als er mit dem Sammeln begonnen hatte.

Antwort vom Künstler

Er sagt: "Ich suche nicht, ich finde." Inzwischen habe er einen Blick dafür, sie fielen ihm direkt ins Auge, so die Kuratorin der Duisburger Ausstellung, Cornelia Garwer-Schier, manchmal mehrere pro Tag.

Er nimmt sie mit, öffnet sie, entziffert und registriert die Texte - der Katalog zur Ausstellung enthält sie alle -, reinigt die Flaschen und verschließt sie wieder. Als er ein paar Hundert zusammen hatte, entwickelte der Sammler in seinem Kopf eine Installation, wie er sie im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt aufgebaut hat.

Zur Eröffnung der Ausstellung kamen dann auch einige derer, deren Flaschenpost Joachim Römers gefunden hat. Denn Nachrichten mit Anschrift oder E-Mailadresse beantwortet der Finder meistens. So dürfte auch der zehnjährige M. Post bekommen haben.

 

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg: "Tausend und eine Flaschenpost", bis 16. Mai, Apostelstraße 84, Di-So 10-17 Uhr.

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