Der Führer denkt, die Partei lenkt, das Volk ackert

Sehenswerte Nordkorea-Doku

Besuch in einem isolierten Land, wo Personenkult Religion ist und der große Führer gern mit dem Säbel rasselt. Filmemacherin Sung-Hyun Cho ("Full Metal Village"), gebürtige Südkoreanerin, reiste nach Nordkorea. "Meine Brüder und Schwestern aus dem Norden" heißt ihre Doku mit Ansichten und Porträts aus dem Reich des Kim Jong-un, das wie ein Ameisenstaat zu funktionieren scheint.

14.07.2016, 17:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Führer denkt, die Partei lenkt, das Volk ackert

Dokumentarische Annäherung an das abgeschottete Nordkorea

 

Der Führer denkt, die Partei lenkt, ein Soldatenvolk ackert. Manche Klischees über Nordkorea sind wahr. So sind Pjöngjangs Plätze und Parade-Schneisen mit Propaganda zugestellt. "Es gibt nichts in der Welt, auf das man neidisch sein muss", lautet eine Parole. Alle super in dieser Vorzeigestadt. Das Spaß-Bad (ein Wasser-Disneyland mit täglich 20 000 Besuchern) glänzt wie geleckt. Für Amüsement sorgt der Führer also auch, wir aber denken an "Kraft durch Freude".

Gespräche "durch die Blume"

Sung-Hyun Cho trifft den leitenden Ingenieur des Bades und seine Familie. Koreanische Mustermanns, die dem Filmteam zugewiesen wurden. Cho befragt sie in ihrer Muttersprache, durch die Blume erkundigt sie sich nach Privatem. Sie weiß, dass niemand sich um Kopf und Kragen redet, ein Aufpasser ist immer dabei.

Als Zuschauer muss man hier zwischen den Zeilen lesen und auf Leute in der zweiten Reihe schauen. Nordkoreaner sind Schauspieler, die glückliche Menschen mimen. Cho kommentiert das nur selten, sie vertraut darauf, dass der schöne Schein sich von selbst entlarvt. Das tut er. Im Kindergarten singen Vierjährige Hymnen auf Kim Jong-un. Näherinnen mit müden Gesichtern ringen sich ein Lied ab - Fröhlichkeit wird verordnet in diesem Land.

Meister der Anpassung

Der Staat funktioniert, weil die Menschen funktionieren. Der Film urteilt nicht, er zollt den Nordkoreanern Respekt. Sie sind Meister der Anpassung, Intelligenzler des doppelten Denkens und Sprechens, unsere Brüder und Schwestern, die auch nur das Beste aus ihrem Leben machen. Sehenswert.

Am Freitag, 15. Juli 2016, läuft der Film um 20.30 Uhr im Kino Sweet Sixteen im Depot Dortmund, Immermannstraße 29. Regisseurin Sung-Hyun Cho ist anwesend.

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