Der fünffache Thomas Mann und ein Hypnotiseur

Westfälischen Landestheater

Thomas Manns "Mario und der Zauberer" (1929) gilt auch als hellsichtige Parabel auf den Ungeist des Faschismus. Mann erzählt von einem Hypnotiseur, den man als Chiffre für den Massen-Dompteur Mussolini sehen kann.

CASTROP-RAUXEL

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 15.12.2013 / Lesedauer: 2 min
Der fünffache Thomas Mann und ein Hypnotiseur

Szene mit Bülent Özdil und Gabriele Brüning.

Die Bühnenfassung von Regisseur Markus Kopf, Samstag am Westfälischen Landestheater (WLT) gespielt, beginnt mit einem Radio-O-Ton Thomas Manns, wo er 1939 vor Hölle und Verderben warnt. Was folgt, ist aber kein politisches Traktat, sondern munterstes Theater, genährt vom sprachlichen Reichtum eines Meister-Literaten.Panoptikum von Typen

Fünf gut geführte und präsente Darsteller treten als Thomas Mann auf: Hut, feiner Zwirn, Einstecktuch, jeder Zoll großbürgerliche Eleganz (Ausstattung: Jeremias Vondrlik). Sie erzählen, kommentieren, illustrieren, karikieren, schlüpfen in andere Figuren und spielen sich die Bälle zu. Ein Panoptikum von Typen im italienischen Badeort setzt sich zum Porträt einer Gesellschaft zusammen, der Thomas Mann Puls und Seele fühlt.

In ihrer Großmannssucht keimt schon die Saat faschistischer Weltmacht-Träume. Solchen Subtext fängt das Stück lässig und leicht mit ein.

Schlüsselszene ist der Auftritt des Bühnenmagiers. Gabriele Brüning gibt dem Menschenflüsterer lauernde Dämonie, ein Tänzchen setzt den ironischen Kontrapunkt.

Tankred Schleinschock lässt Arien einspielen und erhaben Fröstelndes von Richard Wagner. Stimmig, spannend, sehenswert!

Termine: 16./17.12.; Karten: Tel. (02305) 97 80 20.