Der Herr der Röhren wird 85

Bildhauer Friedrich Gräsel

Keiner hat so wie er langweilige Industrieprodukte in Kunst verwandelt. Am Samstag, 26. Mai, wird der Bochumer Bildhauer Friedrich Gräsel 85 Jahre alt.

Bochum

von Von Ronny von Wangenheim

, 26.05.2012, 23:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erst 2011 überraschte Friedrich Gräsel mit neuen Arbeiten, zu sehen in einer Ausstellung im Schlieker-Haus.

Erst 2011 überraschte Friedrich Gräsel mit neuen Arbeiten, zu sehen in einer Ausstellung im Schlieker-Haus.

Es sind die Großplastiken, die er aus industriell gefertigten Stahlelementen oder Asbestzementröhren herstellt, die ihm viel internationale Aufmerksamkeit bringen. Dafür ging er bereits in den 70er Jahren in Industriebetriebe, arbeitete vor Ort. Einige seiner Röhrenplastiken schuf er auch funktionsgebunden wie bei Entlüftungsschächten von Großklimaanlagen. Nach einem Herzinfarkt wird Ende der 80er Jahre das Herz als Organ und Metapher zum Thema seiner bildhauerischen Arbeit. Die strenge Formensprache der Röhrenplastiken weicht einer organischen Gestaltungsweise. 2001 stiftete er der Ruhr-Universität als Folge des interdisziplinären Projekts Herz einen Werkkomplex von 47 Skulpturen und Zeichnungen.

Gräsel selbst hat einmal gesagt, es sei seine Aufgabe, „das kulturelle Defizit unserer technokratischen Zivilisation durch die Aktivierung kreativer Kräfte auszugleichen.“ Dazu wählte er auch den Weg der Lehre. 1957 bis 1970 arbeitete er als Kunstpädagoge an Gymnasien in Nordrhein-Westfalen, darunter auch in Bochum. Seit 1970 lehrte er an verschiedenen Hochschulen. 1982 wurde er zum Professor für plastisches Gestalten an die Universität Essen berufen. Seit 1988 bis heute arbeitet Friedrich Gräsel freischaffend in Bochum. Erst vor einem Jahr überraschte er bei einer Ausstellung im Schlieker-Haus mit neuen Facetten. Für die neue Werkreihe, an der er viele Jahre arbeitete, ließ er sich von der katalanischen Zeichenwelt inspirieren. Statt Stahl und Beton setzt er dabei unter anderem auf geschmeidige Weidenzweige.