Der Herr der Schilder

88.000 Verkehrszeichen

BOCHUM "VZ.206 kommt weg - VZ.306 muss gereinigt werden!" Mit diesen Worten schickt Dirk Korneffel seinen Kollegen zur Herner Straße. Er hätte auch Stoppschild und Vorfahrt sagen können. Doch als "Herr der Schilder" kennt er alle Kennzahlen auswendig.

von Von Daniel Roeschies

, 23.10.2009, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dirk Korneffel mit "VZ.350-10", das es bald nicht mehr gibt.

Dirk Korneffel mit "VZ.350-10", das es bald nicht mehr gibt.

Dirk Korneffel ist Leiter der Verkehrswerkstatt des Technischen Betriebs der Stadt. Die gängigen Bezeichnungen der Schilder benutzt der 42-Jährige eigentlich nie. "Das gewöhnt man sich mit der Zeit ab". Gemeinsam mit 13 weiteren Mitarbeitern sorgt er dafür, dass die rund 88.000 Verkehrszeichen und Schilder im Bochumer Stadtgebiet gut in Schuss bleiben.

Dirk Korneffel ist Leiter der Verkehrswerkstatt des Technischen Betriebs der Stadt. Die gängigen Bezeichnungen der Schilder benutzt der 42-Jährige eigentlich nie. "Das gewöhnt man sich mit der Zeit ab". Gemeinsam mit 13 weiteren Mitarbeitern sorgt er dafür, dass die rund 88.000 Verkehrszeichen und Schilder im Bochumer Stadtgebiet gut in Schuss bleiben.

Im Jahr kommt der Technische Betrieb auf 2600 Stück, die entweder repariert oder komplett ausgewechselt werden müssen. Die Gründe sind meist Vandalismus aber auch Autounfälle. "Pro Woche fahren im Schnitt zehn Autos gegen Schilder", sagt Korneffel. Die allermeisten fahren einfach weiter, obwohl es eine Straftat ist. Viel schlimmer sei jedoch die Zerstörung durch Vandalen. Das merke man meist bei Großveranstaltung "oder wenn der VfL spielt, dann haben wir viel zu tun", berichtet Korneffel.

Neben mutwilliger Zerstörung macht den Schildern die Sonne stark zu schaffen. "An schattigen Stellen stehen heute noch Schilder von 1969". Wo dagegen viel Licht ist, seien die Schilder nach wenigen Jahren teilweise schon so ausgeblichen, dass man sie nicht mehr erkennen kann. Regelmäßig kontrolliert werden die Schilder von so genannten "Straßenbegehern". Neun Kontrolleure sind ständig auf Bochums Straßen unterwegs und melden defekte oder verschmutzte Schilder. "Anschließend schicken wir unsere Jungs entweder mit dem Hochdruckreiniger oder neuen Schildern los", erzählt Korneffel.

Verkehrswerkstatt Gelagert werden die Verkehrszeichen in der Verkehrswerkstatt in Altenbochum. In Regalen sortiert, finden sich neben den rund 1400 Verkehrsschildern auch Schutzplanken, Pfosten, Pöller und Markierungen. Im hinteren Teil des Gebäudes lagert die "Karnevalsabteilung", wie Korneffel sagt: Absperr- und Parkverbotschilder die nur zur närrischen Jahreszeit rausgeholt werden.

In der Verkehrswerkstatt werden Schilder nicht nur gehortet. In einem Nebenraum beklebt Mitarbeiter Sascha Lowin sorgfältig - in Handarbeit - ein neues Schild mit Öffnungszeiten. "Wir machen alles selbst, wir beschriften die neuen Schilder und entsorgen die alten", erzählt er.

Zurück im Lagerraum durchforstet Korneffel ein Regal und zieht ein großes blaues Schild heraus. "Das hier ist übrigens das teuerste Schild", sagt er. 79 Euro kostet es - ohne Montage. "VZ.350-10, äh... der 'Fußgängerüberweg wird demnächst nicht mehr hergestellt", sagt Korneffel. "Beschluss von ganz Oben." Der Bundesverkehrsminister hält es für überflüssig.