Der Knotenpunkt Königsborn ist nur schwer zu knüpfen

rnRS1 führt an Unna vorbei

Der Bahnhof Königsborn mit seinem historischen Gebäude als belebter Knotenpunkt für den Schienen- und Radverkehr der Region – diese Vision trifft bei der Umsetzung auf eine harte Wirklichkeit.

Unna

, 07.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Es war eine ungewöhnlich breit aufgestellte Gruppe von Mitwirkenden, die die Stadt vor fast einem Jahr im alten Bahnhofsgebäude in Königsborn versammelte. Fahrrad- und Bahnverbände, Hoteliers und Kulturmanager, Wirtschaftsvertreter und Verwaltungsleute verschiedener Ebenen diskutierten über die Chancen, die der neue Radschnellweg Ruhr (RS1) bietet, um den Bahnhof in Königsborn aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Ideen fanden die 21 Köpfe reichlich. Danach wurde es erst einmal ruhiger um das Projekt. Bis eine Wortmeldung aus dem Unnaer Rathaus Stille einkehren ließ.

Planungsdezernent Michael Ott wandte sich in einem Rundschreiben an die Teilnehmer der damals als so konstruktiv gewerteten Konferenz und hatte gleich drei schlechte Nachrichten parat. Dass der RS1 verzögert in Bau geht, weil für den Radweg ein Planfeststellungsverfahren nötig wird, war für Beobachter des Projektes keine Überraschung mehr, jedoch konnte Ott die Folgen präzisieren: Eine Realisierung im Keisgebiet Unnas sei erst „ab 2022 zu erwarten“. Zweitens wies Ott auf die jüngsten Überlegung der Stadt zu den künftigen Haushaltsprioritäten hin – und darauf, dass der Bereich des Königsborner Bahnhofes darin gar nicht auftauche. Drittens bestehe Gefahr, dass die Potenziale des neuen Radschnellwegs am Königsborner Bahnhof vorbeigeführt werden – und zwar buchstäblich. Die geplante Trassenführung des RS1 nämlich liegt auf der Nordseite der Bahnstrecke, das Bahnhofsgebäude auf der anderen. Dazwischen liegen die Schienen – gar nicht so breit, aber doch unüberwindlich. Dieses Problem ist zwar auch bei der Konferenz im vergangenen Jahr schon gesehen worden, galt aber als handhabbar: Es müsste doch „nur“ ein bodengleicher Bahnübergang für Fußgänger und Radfahrer gebaut werden. Doch so einfach ist dies nicht: Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft, die Ott mit diesem Anliegen angesprochen hat, habe die Sache als „aussichtlos“ bezeichnet.

Konferenzteilnehmer Hermann Strahl, sonst eher optimistischer Natur, räumt anfängliche „Lähmungserscheinungen“ nach dem Erhalt dieses Rundschreibens an. Das Urgestein der grünen Bewegung und des ADFC sah und sieht im Bahnhof Königsborn den geeigneten Standort für ein Modellprojekt: Der RS1 und der bereits vorhandene Alleenradweg würden Radfahrer mit optimalen Bedingungen in drei Himmelsrichtungen führen, dabei auch an die touristischen Fernradwege der Region anbinden. Im Süden ziehen Schulen, Berufskollegs und der künftige Bildungscampus eine fahrradaffine Altersgruppe an. Dass Unna in diesem Bereich auch einen Schienenanschluss hat, sei ein Glücksfall, und so hat auch Strahl – wie viele andere Konferenzteilnehmer – den Traum von einem belebten Knotenpunkt im zurzeit kaum genutzten Baudenkmal entwickelt.

Nehmen lassen will er ihn sich nicht, und so ruft der grün-alternative Vordenker zur öffentlichen Mobilmachung auf. „Chancen wahren für den Bahnhof Königsborn. Michael Ott den Rücken stärken.“, überschreibt Strahl eine Stellungnahme, mit der er eine öffentliche Debatte anregen will. Zudem bittet er alle Konferenzteilnehmer, sich in ihren Netzwerken für die Sache einzusetzen. Strahl selbst wendet sich mit einem Rundbrief an die aus Kamen stammende Landesministerin Ina Scharrenbach, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, den Vorstand der Deutschen Bahn und die vom Land NRW und der Bahn getragene Bahnflächenentwicklungsgesellschaft. Strahl legt darin die Vorteile einer Aktivierung des Bahnhofs in Königsborn dar, aber auch die Notwendigkeit eines Übergangs vom Bahnhof zum eigentlichen Radweg jenseits der Schienenstränge.

Zumindest im Radrevier Ruhr ist der Bahnhof in Königsborn ein offizieller Knotenpunkt, wie Charly Droste vom ADFC auf diesem Archivbild zeigt. Doch weitergehende Ideen, die den Bahnhof einerseits beleben und andererseits besser nutzen könnten, erweisen sich als schwer umzusetzen.