Der lange Weg in den Terrorismus

Theaterpremiere

Ein Mord unter Revolutionären, der Zweifel an Gott – „Böse Geister“ (alternativ auch: „Die Dämonen“) von Fjodor Dostojewski ist ein gewaltiger Roman, durchzogen von den philosophischen und politischen Diskursen seiner Zeit. Nun bringt das „Theater Total“ den 1873 veröffentlichten Roman auf die Bühne – eine Herkulesaufgabe.

BOCHUM

, 18.03.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der lange Weg in den Terrorismus

Das Theater Total probt derzeit für die Inszenierung von "Böse Geister" nach dem Roman von Dostojewski.

Es herrscht höchste Konzentration in der früheren Albertus-Magnus-Kirche an der Königsallee. Dort, wo einst Gott gepriesen wurde, üben die Schauspieler von Theater Total gerade einen Disput über die Religion. Immer wieder springt Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer auf, gibt Hinweise, feilt an den Gesten und Betonungen ihrer Schauspieler.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Theatertruppe einen Klassiker von Dostojewski inszeniert – „Krieg und Frieden“ stand schon einmal auf dem Spielplan. Doch man merkt dem Team an, dass „Böse Geister“ eine besondere Herausforderung ist – auch weil der Roman in den Augen von Dramaturg Stephan Holz heute noch aktuell sei.

Denn Dostojewski verhandelt, neben zahlreichen anderen Themen, in seinem Roman auch das, was heute gemeinhin als Terrorismus bezeichnet wird: Die brutale Umstürzung herrschender Verhältnisse, die Revolution mit den Mitteln der Gewalt. „Dostojewski zeigt den Prozess, wie ein Terrorist dazu gemacht wurde, was er ist“, sagt Holz.

Schwieriges Kürzen

Wie aber verdichtet man einen Roman, der es in der Taschenbuchausgabe auf fast 1000 Seiten bringt, auf einen kurzweiligen Theaterabend? „Das Kürzen fiel mir persönlich schwer“, sagt der Dramaturg. Denn es sei immer schade, wenn „große Themen nicht so differenziert wie in der Vorlage dargestellt werden.“

Doch sich auf einige „Storylines“ zu beschränken, sei eine „lehrreiche Erfahrung“ und „notwendig“ gewesen. „Sonst sind die Zuschauer nach 20 Minuten gelangweilt.“ Die philosophischen und gesellschaftlichen Diskussionen des Romans, sie blieben dennoch auch noch in der Theaterfassung erhalten. Ein Umstand, der die Schauspieler durchaus vor Probleme stellt, wie Tjark-Hagen Kandulski erklärt.

Als die Auswahl der Stücke diskutiert wurde, hatte sich der 20-Jährige gegen die „Bösen Geister“ entschieden. „Es ist schwerer Stoff“, sagt er – und den zu spielen, daran „beiße ich mir die Zähne aus“, so der junge Schauspieler. „Krass komplex“, findet er die Figuren des Romans, die er noch nicht allesamt genau gefasst hat, fühlt sich aber gerade dadurch angespornt: „Die sind so cool, dass man es auf jeden Fall schaffen will.“

Behutsamer Umgang

Er selbst habe sich vor dieser neuen Eigenproduktion von Theater Total nicht für Dostojewski interessiert. Doch nach ersten Annäherungsversuchen an den Roman habe sich die Stimmung im Team gegenüber dem Werk schlagartig geändert: „Jeder hier liebt inzwischen das Buch“, sagt Kandulski. Das freut Stephan Holz sehr, denn der Dramaturg ist bekennender Dostojewski-Fan.

Das ist auch der Grund, warum er mit der Bühnenadaption des Romans trotz aller Kürzungen behutsam umgeht und sie nicht in die Gegenwart holt: „Wenn ich damit anfange, dann nehme ich Dostojewski etwas weg“, sagt er. Denn die Ideen und Diskurse des Romans seien so stark geschrieben, dass sie bereits für sich bis heute Gültigkeit hätten.

Die Premiere ist am Freitag, 27. März, 19.30 Uhr, im Theatersaal des Ensembles, Königsallee 171. Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 10. Im Anschluss an die fünf Bochumer Termine geht das Theater Total mit der Inszenierung auf Tour durch Deutschland und die Schweiz.