"Der Mann, der niemals lebte" zeigt die USA als Sheriff der Welt

Der Krieg gegen den Terror geht selber über Leichen. Im Namen der Freiheit wird gefoltert und gemordet. Menschen sind Schachfiguren und manchmal Bauernopfer. Das haben wir in Stephen Gaghans "Syriana" gesehen, das führt uns jetzt Ridley Scotts "Der Mann, der niemals lebte" vor Augen.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 18.11.2008, 16:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Agenten unter sich: Mark Strong und Leonadro DiCaprio in Ridley Scotts neuem Film "Der Mann, der niemals lebte".

Agenten unter sich: Mark Strong und Leonadro DiCaprio in Ridley Scotts neuem Film "Der Mann, der niemals lebte".

Ein Thriller über das zynische Geschäft der Geheimdienste, mit fiebrigen Action-Sequenzen von Scott gewohnt virtuos in Szene gesetzt.

Hinter den Oberflächenreizen verbreitet der Film ein brütendes Gefühl von Ungemütlichkeit und Verunsicherung: Wo soll das hinführen mit der westlichen Arroganz? Wer kehrt die Scherben auf, die der amerikanische Elefant im Porzellanladen des Nahen Ostens zerdeppert?Das Handy dient als Motor der Handlung

In Scotts Film (nach einem Roman von David Ignatius) steht ein Mann für Allmacht und Kaltschnäuzigkeit der USA: der von Russell Crowe gespielte CIA-Offizier Ed Hoffman. Per Handy (in diesem Film Motor der Handlung) dirigiert er von Amerika aus seine "Frontschweine" im Irak.Ein Fisch im Wasser des arabischen Lebens

Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) erledigt vor Ort die Drecksarbeit. Wenn es sein muss, tötet er. Oder erfindet eine fiktive Terrorzelle, um die wahren Bombenbauer aus der Deckung zu locken. Ansonsten schwimmt er wie ein Fisch im Wasser arabischen Lebens. Ferris beherrscht die Landessprache, kennt die Sitten und hält sich an Absprachen mit dem jordanischen Geheimdienst.

Agenten geraten in höchste Gefahr

Mark Strong  als dessen Chef liefert eine imponierende Vorstellung und stiehlt DiCaprio wie Crowe die Schau. Ein intelligenter Charismatiker, der einen Al Kaida-Unterschlupf in Amman ausheben will. Doch Hoffman torpediert den Plan und bringt DiCaprios Undercover-Agenten in höchste Gefahr...Prickelndes Verwirrspiel mit unsichtbaren Fronten

Ein prickelndes Verwirrspiel mit unsichtbaren Fronten und wechselnden Allianzen. Der Nahe Osten als ein Bienenstock, in dem es summt und brummt: Wer ist Freund, wer Feind? Und dann ist "Der Mann, der niemals lebte" ein Film über die Allgegenwart des magischen Auges. Satelliten und Drohnen liefern Bilder von jedem Punkt der Erde. Die Welt ein Dorf und Amerika der Sheriff. Ab 20.11. im Kino.

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